Alice Jill Edwards ist eine australische Juristin, die von 2022 bis 2026 UNO-Sonderberichterstatterin über Folter und andere unmenschliche Strafmethoden war. Im Oktober veröffentlichte sie im „Telegraph“ einen aufsehenerregenden Artikel: „Als UNO-Gesandte erlebte ich die anti-israelische Besessenheit meiner Kollegen aus nächster Nähe“.
Edwards fühlte sich nicht frei, über die Probleme in der UNO zu sprechen, solange sie das Amt der Sonderberichterstatterin innehatte. Nun wirft sie früheren Kollegen vor, sich geweigert zu haben, das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 zu dokumentieren. Auf den Gastbeitrag im „Telegraph“ folgte ein Interview mit der „Jerusalem Post“, in dem sie eine „Israel-Besessenheit“ im UNO-System und eine Kultur des Mobbings und der Drohungen beschreibt.
Im Dezember 2024 besuchte Edwards die angegriffenen Kibbuzim, darunter Kfar Aza. Sie beschreibt Einschusslöcher in gewöhnlichen Wohnhäusern, die bis in Mikrowellen und Kühlschränke reichten, sowie Begegnungen mit den Müttern der Geiseln Emily Damari und Doron Steinbrecher.
„Ich habe mich geschämt“, schreibt sie im „Telegraph“. „Ich bin nach wie vor empört darüber, dass Francesca Albanese, UNO-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, und Reem Alsalem, Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen, diese Gräueltaten nie formell dokumentiert haben, obwohl sich die Beweise häuften, die für die meisten von uns unbestreitbar sind.“
Laut Edwards veröffentlichten die beiden stattdessen weiterhin „einseitige und toxische Berichte“, was das Leid der Geiselfamilien und der zurückgekehrten Geiseln nur noch verstärkt habe. Sie betont, dass die Geiselnahme an sich psychologische Folter sei, auch für die Familien, die in Ungewissheit leben.
Im Interview mit der „Jerusalem Post“ geht sie noch weiter. Drei Jahre nach dem Massaker hätten die beiden Kolleginnen noch immer keine ordentliche Untersuchung durchgeführt.
„Ich glaube, das war Absicht. Und ich glaube, es ist immer noch Absicht. Es gibt keine wirklichen Entschuldigungen“, sagt sie. Das Argument, Israel habe keinen Zugang gewährt, lässt sie nicht gelten.
Kurz nach dem 7. Oktober dokumentierte Edwards die Übergriffe gemeinsam mit der UNO-Sonderbeauftragten für sexuelle Gewalt in Konflikten, Pramila Patten. Danach wurde es still. Sie berichtet von Versuchen, die Sprache in ihrem eigenen Bericht abzuschwächen, und von Druck, andere Berichterstatter von einer Unterzeichnung abzuhalten.
„Es herrschte, und es herrscht noch immer, ein Klima des Mobbings und der Drohungen, in dem man nur eine einzige Sichtweise haben darf“, sagt sie.
Sie verweist auch auf die Zahlen: Rund 50 Resolutionen zu Israel seit dem 7. Oktober, gegenüber etwa zehn zum Sudan, einem weitaus blutigeren und länger andauernden Konflikt.
Edwards stellt klar, dass sie Israel nicht unkritisch verteidigt. Sie hat Vorwürfe zur israelischen Behandlung palästinensischer Gefangener untersucht, Ramallah besucht und gefordert, dass Israel für Verstösse zur Rechenschaft gezogen wird. Dennoch betont sie, dass Neutralität, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit die Grundpfeiler einer glaubwürdigen UNO seien und dass sich die Organisation selbst geschwächt habe, indem sie sich während des Gaza-Kriegs einseitig auf Israel konzentrierte.
„Ich bin weder für die eine noch für die andere Seite voreingenommen“, sagt Edwards. „Ich will, dass es gerecht zugeht.“
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