Maher Younes, ein israelischer Araber aus dem Dorf Arara im Norden Israels, starb nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA am Sonntag, dem 5. Juli, im Alter von 68 Jahren. Gemeinsam mit seinem Cousin Karim Younes wurde er 1983 wegen der Entführung und Ermordung des israelischen Soldaten Avraham Bromberg im Jahr 1980 verurteilt.
Bromberg war 20 Jahre alt und auf dem Heimweg von seinem Stützpunkt auf den Golanhöhen, als die Cousins ihm anboten, ihn mitzunehmen. Sie überwältigten ihn, schossen ihm in den Kopf, stahlen seine Waffe und liessen ihn am Strassenrand zurück. Er wurde gefunden und in ein Krankenhaus gebracht, wo er wenige Tage später seinen Verletzungen erlag, wie die Times of Israel berichtet.
Die Cousins wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Der damalige israelische Präsident Shimon Peres begrenzte ihre Strafen jedoch 2012 auf 40 Jahre. Beide wurden im Januar 2023 freigelassen und in ihrem Heimatort wie Helden empfangen – obwohl die israelische Polizei angewiesen worden war, gegen entsprechende Feierlichkeiten vorzugehen.
„Ruhmreicher Kampfweg“
Die israelische Medienbeobachtungsorganisation Palestinian Media Watch (PMW), die Äusserungen in offiziellen palästinensischen Medien dokumentiert und übersetzt, hat die Reaktionen auf den Tod von Younes zusammengestellt. Die Auswertung zeigt, dass die Würdigungen aus den höchsten Ebenen der PA und der Fatah kamen – jener Partei, die vom PA-Präsidenten Mahmoud Abbas geführt wird.
Jibril Rajoub, Generalsekretär des Fatah-Zentralkomitees, bezeichnete Younes laut PMW als „diese grosse nationale Persönlichkeit“. Mit „Stolz und grosser Anerkennung“ gedenke er seines „ruhmreichen Kampfweges“. Rajoub fügte hinzu, die Treue zu den Opfern der Gefangenen und „Märtyrer“ werde „eine nationale und moralische Pflicht bleiben“.
Rawhi Fattouh, Vorsitzender des Palästinensischen Nationalrates, bezeichnete Younes als „Kämpfer, Anführer und Revolutionär“ sowie als einen der herausragenden Anführer der „Gefangenenbewegung“. Sein Opfer werde „eine Inspirationsquelle für palästinensische Generationen bleiben“, hiess es in dem Kondolenzschreiben.
Auch das Mitglied des Fatah-Zentralkomitees Abbas Zaki und die Gouverneurin von Ramallah, Laila Ghannam, stellten Younes als Vorbild dar. Zaki nannte ihn „ein ewiges Vorbild für Opferbereitschaft und Aufopferung“, während Ghannam schrieb, sein Name werde als „ewiges nationales Symbol“ fortbestehen.
PA-Zeitung stellte die Haftjahre als geraubtes Leben dar
Die offizielle Tageszeitung der PA, Al-Hayat Al-Jadida, stellte die Gefängnisstrafe laut PMW nicht als Strafe für einen Mord dar, sondern als geraubtes Leben. In einem Artikel mit dem Titel „40 Jahre im Warten auf das Leben“ schrieb die Zeitung, Younes habe eigentlich nur in den Jahren nach seiner Freilassung gelebt, während die vorangegangenen 40 Jahre „in einer Gefängniszelle zurückgelassen“ worden seien.
Die Zeitung veröffentlichte auch den offiziellen Nachruf der Fatah. Darin wurde Younes als „nationaler Führer“ und „historisches Vorbild des Kampfes“ bezeichnet, dessen Tod „einen grossen Verlust für die palästinensische Nationalbewegung“ darstelle.
Im offiziellen PA-Fernsehen bezeichnete der DFLP-Politiker Mahmoud Khalaf den Tod von Younes als „Märtyrertod“ und erklärte: „Wir ehren die Seele des heldenhaften Märtyrers Maher Younes.“
Der Vorsitzende des von der PA finanzierten Gefangenenklubs, Amjad Al-Najjar, nannte ihn „ein Symbol für alle unsere heldenhaften Gefangenen“. Ein israelischer Staatsbürger, der für das PA-Fernsehen berichtet, erklärte, Younes habe „wirklich wie ein Held gelebt und 40 Jahre seines Lebens für die palästinensische Sache geopfert“.
Teil eines festen Musters
Die Verherrlichung nach seinem Tod ist nicht neu. Bereits im April 2018 – als Younes noch im Gefängnis sass – wurde in der Stadt Tulkarem ein Platz eingeweiht, der seinen Namen trägt. Die Benennung war vom Bezirksgouverneur genehmigt worden; sowohl der Gouverneur als auch der Bürgermeister der Stadt hielten Ansprachen.
Während der Zeremonie, die von einer Musikkapelle und einer Parade palästinensischer Pfadfinder begleitet wurde, erklärte der Gouverneur von Tulkarem, Isam Abu Bakr, laut Jewish News Syndicate: „Wir sind stolz auf diesen grossen Mann, diesen Kämpfer, diesen Anführer.“
Als sein Cousin Karim Younes im Januar 2023 freigelassen wurde, erklärte dieser nach Angaben von Israel Hayom, er sei stolz darauf, zu jenen zu gehören, die Opfer für Palästina gebracht hätten. Er sei „bereit, weitere 40 Jahre für die Freiheit unseres Volkes zu opfern“.
Brombergs Schwester Adah bezeichnete die Freilassungen in einem Interview mit Israel Hayom als „unerträglich“:
„Es ist unvorstellbar, dass solche Menschen unter uns herumlaufen, lachen und sich vergnügen. Das ist eine Katastrophe. Es versetzt mich zurück an den Tag, an dem Avi ermordet wurde.“
Nach Einschätzung von PMW zeigt die Breite der Reaktionen, dass diese Verherrlichung nicht auf einzelne Personen beschränkt ist. Sie fügt sich vielmehr in ein festes Muster ein, in dem Institutionen der PA und der Fatah Personen, die wegen der Ermordung von Israelis verurteilt wurden, als „Helden“, „Märtyrer“ und nationale Vorbilder darstellen. Dies geschieht, während westliche Staaten die PA weiterhin als moderaten Partner behandeln, hält PMW fest.
Die Verherrlichung beschränkt sich zudem nicht auf Worte. Über das sogenannte Gefangenengehaltssystem zahlte die PA jahrzehntelang monatliche Zuwendungen an Palästinenser, die wegen terroristischer Angriffe auf Israelis inhaftiert waren – wobei die Zahlungen mit der Länge der Haftstrafe stiegen.
Auch die Cousins Younes erhielten solche Zahlungen. PMW schätzte 2018, dass die PA Maher Younes seit seiner Festnahme mehr als 1,4 Millionen Schekel gezahlt hatte. Bei ihrer Freilassung bezeichnete die Organisation die Cousins als die im Rahmen dieses Systems am höchsten bezahlten israelisch-arabischen Terroristen.
PA-Präsident Mahmoud Abbas kündigte im Februar 2025 an, das System abzuschaffen und durch bedarfsabhängige Sozialhilfe zu ersetzen. Ein Bericht des US-Aussenministeriums an den Kongress stellte jedoch 2026 fest, dass die PA weiterhin Zahlungen an verurteilte Terroristen und deren Familien leiste – unter Verstoss gegen den amerikanischen Taylor Force Act. Den in dem Bericht wiedergegebenen Zahlen zufolge beliefen sich die Zahlungen 2025 auf 156 Millionen US-Dollar.
Im Mai 2026 verpflichtete zudem ein Verwaltungsgericht in Ramallah die PA, die Zahlungen an die Familie eines Gefangenen wieder aufzunehmen. Nach Einschätzung von PMW könnte dieses Urteil einen Präzedenzfall für rund 1’600 Gefangene schaffen, deren Zahlungen eingestellt worden waren. Das Gericht verwies darauf, dass die Zahlungen nach den eigenen Gesetzen der PA einen gesetzlich verankerten Anspruch darstellen.
Auch Deutschland, Österreich und die Schweiz unterstützen die palästinensischen Gebiete mit erheblichen finanziellen Mitteln und arbeiten in unterschiedlicher Form mit der Palästinensischen Autonomiebehörde zusammen. Deutschland setzt sich ausdrücklich für die politische, technische und finanzielle Stärkung einer reformierten PA ein. Vor diesem Hintergrund betrifft die Frage, wie die PA mit verurteilten Terroristen und deren Familien umgeht, auch die Steuerzahler und die Politik in den DACH-Ländern. MIFF hat im Laufe der Jahre wiederholt über das System der Terrorgehälter berichtet.


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