Seit der Krieg gegen die Terrororganisation Hamas nach dem Massaker vom 7. Oktober ausbrach, haben die Kritik und die Anschuldigungen gegen Israel immer neue Höhen erreicht. Eine der schwerwiegendsten und am häufigsten wiederholten Behauptungen – von den Medien im deutschsprachigen Europa unkritisch weiterverbreitet – lautete, Israel hungere die Zivilbevölkerung im Gazastreifen absichtlich aus.
MIFF hat seit Langem dokumentiert, weshalb dieses Narrativ einer Überprüfung nicht standhält. Lesen Sie dazu auch unseren ausführlichen Referenzartikel: Es gab keine Hungersnot in Gaza. Das zeigen die neusten UNO-Zahlen.
Im August vergangenen Jahres kamen „UNO-nahe Experten“ erstmals zu dem Schluss, im Gazastreifen herrsche eine Hungersnot. Dies löste international grosse Aufmerksamkeit und Verurteilungen aus. Was dagegen keine Aufmerksamkeit erhielt, war die Tatsache, dass die eigenen Zahlen der Hamas knapp einen Monat später die Behauptung einer Hungersnot widerlegten.
Dennoch wurden die Behauptungen über eine katastrophale Hungersnot in Gaza als Tatsache dargestellt. Zehntausende Menschen, so hiess es, seien unmittelbar davon bedroht, an Unterernährung zu sterben.
Nun zeigen auch neue Zahlen von UNICEF, dass die Behauptung einer weitverbreiteten Hungersnot im Gazastreifen falsch war. Eine umfassende, in der Onlinezeitung The Free Press veröffentlichte Auswertung zeigt, dass die Anschuldigungen über eine Hungersnot in der Wirklichkeit keine Grundlage hatten.
Was zeigen die tatsächlichen Zahlen von UNICEF?
Ende Juli veröffentlichte UNICEF die umfassendste Untersuchung zur Ernährungslage im Gazastreifen seit Beginn des Krieges. Die nach international anerkannten Standards durchgeführte Untersuchung zeigte überraschend niedrige Zahlen für akute Mangelernährung unter Kleinkindern im Gazastreifen: nur 0,5 Prozent der Kinder unter fünf Jahren.
Der Grund dafür, dass man sich auf die Mangelernährung von Kindern konzentriert, liegt darin, dass Kleinkinder unter fünf Jahren biologisch am empfindlichsten auf Nahrungsmangel reagieren. Sie werden deshalb als Indikator dafür herangezogen, ob in einer Bevölkerung eine Hungersnot herrscht.
Ein Wert von 0,5 Prozent bedeutet, dass der Gazastreifen tatsächlich eine der niedrigsten Raten akuter Mangelernährung unter Kindern in der gesamten Region aufweist. Dies steht in grellem Gegensatz zu den Untergangsprophezeiungen, die im vergangenen Jahr in der Weltpresse veröffentlicht wurden.
Damals behauptete das UNO-nahe IPC-Netzwerk, Zehntausende Kinder unter fünf Jahren würden bis zum Jahresende an akuter Mangelernährung leiden und dringend behandelt werden müssen. Der Nothilfekoordinator der UNO bezeichnete die Beweise für eine Hungersnot als „unwiderlegbar“.
Ein Anteil von 0,5 Prozent entspricht ungefähr 1.600 Kindern. Das verdeutlicht die gewaltige Kluft zwischen der damaligen Krisenmaximierung und den tatsächlichen Messungen vor Ort.
Wie kann die Abweichung derart gross sein? Wie können sich „unwiderlegbare Beweise“ für eine massive Aushungerung plötzlich in einem Messwert von weniger als einem Prozent der Kleinkinder in Gaza niederschlagen?
Im Gazastreifen leiden sogar deutlich mehr Kinder an Übergewicht und Fettleibigkeit als an Mangelernährung. Fettleibigkeit ist bei vier Prozent der Kinder unter fünf Jahren ein Problem. Eine Forscherin, die Daten über Mangelernährung am Horn von Afrika gesammelt hat, erklärte, sie habe noch nie zuvor einen solchen Anteil von Fettleibigkeit und Übergewicht in einem Gebiet gesehen, das nur ein Jahr zuvor zum Hungersnotgebiet erklärt worden war.
Wie konnte sich Gaza in weniger als einem Jahr von einem offiziell als Hungersnotgebiet eingestuften Gebiet zu einer Region mit einem der niedrigsten Werte schwerer Mangelernährung unter Kindern entwickeln? Humanitäre Organisationen konnten diese Frage bislang nicht beantworten. Im Gegenteil: Mehrere von ihnen sammeln weiterhin Geld auf der Grundlage falscher Behauptungen, wonach in Gaza der Hunger grassiere.
Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, erklärte gegenüber The Free Press, diese Zahlen erzählten eine andere Geschichte als jene, die während der vergangenen drei Jahre in den Medien verbreitet worden sei.
„Dies zeigt lediglich, womit Israel jeden einzelnen Tag konfrontiert ist: vollständig falsche Nachrichten darüber, dass es einen Völkermord begehe und versuche, Menschen auszuhungern“, sagte er.
Eine vorsätzliche oder fahrlässige Propagandakampagne?
Wie MIFF wiederholt festgestellt hat, war die Berichterstattung über den Krieg von einem beunruhigenden Mangel an Quellenkritik geprägt, sobald Anschuldigungen gegen den jüdischen Staat erhoben wurden. Wenn UNO-Organisationen und die von Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörden Zahlen oder Behauptungen veröffentlichen, werden diese häufig ohne jeden Vorbehalt geschluckt.
Für diese gewaltige Diskrepanz gibt es drei mögliche Erklärungen:
- Methodische Fallstricke und Stichprobenverzerrung: Hat das UNO-nahe IPC-Netzwerk ursprünglich nur kranke und besonders gefährdete Kinder in Krankenhäusern und Gesundheitszentren untersucht und diese Zahlen anschliessend unzulässigerweise auf die gesamte Bevölkerung Gazas übertragen?
- Grobe Übertreibung: Wurden die früheren Schätzungen vorsätzlich oder fahrlässig aufgebläht, um einen möglichst grossen politischen Druck auf Israel auszuüben?
- Ignorieren israelischer Hilfslieferungen: Hat das IPC-Netzwerk die grossen Mengen an Lebensmitteln und Hilfsgütern, die Israel über die Grenzübergänge in den Gazastreifen gelangen liess, bewusst verschwiegen oder heruntergespielt?
Der Schaden ist bereits angerichtet – und die Medien schweigen
Es muss betont werden, dass die Bevölkerung Gazas selbstverständlich sehr schwierige Zeiten und ernährungsbezogene Herausforderungen erlebt hat. Diese sind eine Folge des von Hamas begonnenen Krieges und der Tatsache, dass sich die Terrororganisation hinter ihrer eigenen Zivilbevölkerung versteckt.
Zwischen schwierigen Verhältnissen in einem Kriegsgebiet und einer bewussten israelischen Politik zur „Aushungerung der Zivilbevölkerung“ liegt jedoch ein Abgrund.
Die Anschuldigung, Israel habe die Bevölkerung bewusst ausgehungert, wurde in der internationalen Gemeinschaft nahezu als unbestrittene Wahrheit etabliert. Die Behauptung diente als Grundlage für Forderungen nach internationalen Sanktionen, politische Beschlüsse, Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs, ein ständig zunehmendes Ausmass an Judenhass und grosse Demonstrationen gegen Israel in westlichen Ländern.
Dabei handelte es sich nicht um harmlose statistische Rechenfehler. Es waren Anschuldigungen von enormer moralischer Tragweite, mit denen Israel als „Völkermordstaat“ dargestellt wurde.
Nun, da die harten Fakten von UNICEF zeigen, dass die Behauptungen völlig unverhältnismässig waren, herrscht in der Politik, bei den Medien und antiisraelischen Organisationen im ganzen Europa ohrenbetäubendes Schweigen.
Auf die Schlagzeilen, welche die Titelseiten beherrschten, als Israel einer Hungerkatastrophe beschuldigt wurde, folgen keine Korrekturen, nachdem nun die Wahrheit vorliegt.
Israel wurde aufgrund unbestätigter Behauptungen vorverurteilt. Die Wahrheit, die Israel vom Vorwurf der Aushungerung entlastet, erhält dagegen fast keinen Raum.
Israel verdient es, dass die Wahrheit mit derselben Kraft und Lautstärke dargestellt wird, mit der zuvor die Lügen und Anschuldigungen verbreitet wurden. MIFF wird weiterhin die einseitige Medienberichterstattung korrigieren und Fakten liefern, wo andere versagen.
Über den Autor:
Bjarte Bjellås ist Journalist und Redaktor bei MIFF Norwegen. Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Norwegisch bei miff.no und wurde für MIFF DACH ins Deutsche übersetzt und redaktionell bearbeitet.


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