Der folgende Text basiert auf einem Bericht aus dem heutigen Newsletter von Amit Segal.
Laut Iran International hat die iranische Zentralbank dem Regime einen bemerkenswerten Bericht vorgelegt. Darin wird gewarnt, dass die wirtschaftlichen Folgen des jüngsten Krieges die Inflation auf bis zu 180 Prozent treiben und zwei Millionen Menschen arbeitslos machen könnten, falls sich die aktuellen Bedingungen nicht ändern.
Zum Vergleich: Die Inflationsrate, die im Januar Massenproteste auslöste, wird auf etwa 44,6 bis 46,5 Prozent geschätzt, mit Spitzenwerten von bis zu 100 Prozent. Die Zentralbank bereitet sich nun auf ein Szenario vor, das nahezu viermal so hoch ist wie diese Ausgangswerte und fast doppelt so hoch wie die extremsten bisherigen Schätzungen.
Die Operation Roaring Lion zielte darauf ab, die militärischen Fähigkeiten Irans zu schwächen. Dabei wurden jedoch zwangsläufig auch bedeutende dual nutzbare Infrastrukturen getroffen. Besonders betroffen sind petrochemische Verarbeitungsanlagen und Stahlproduktionsstätten, die zusammen rund 15 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts Irans sowie über 60 Prozent seiner nicht-ölbasierten Industrieproduktion ausmachen.
Ein iranischer Beamter warnte, dass das Ausmass der Zerstörung dazu führen werde, dass die grossen Industrieanlagen, die das Rückgrat der Wirtschaft bilden, Monate, wenn nicht Jahre für die Reparatur benötigen. Der Bericht der Zentralbank geht demnach sogar von einer Erholungszeit von bis zu zwölf Jahren aus. Ohne eine rasche Lockerung der Sanktionen werde das Land, so der Beamte, «vor einer Katastrophe stehen».
Die Schäden an Fabriken und Industriezentren während des 40-tägigen Krieges haben eine Kettenreaktion ausgelöst. Dutzende nachgelagerte Unternehmen, die von diesen grossen Anlagen abhängig sind, mussten ihre Produktion einstellen, was weitere Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet hat.
Ein weniger beachteter, aber ebenso verheerender wirtschaftlicher Effekt des Konflikts ist der Internetausfall. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2025 erreichte das Volumen des E-Commerce in Iran 65 Milliarden Dollar. Nur wenige Unternehmen können eine erzwungene Schliessung von 45 Tagen überstehen. Wenn das digitale Leben wieder einsetzt, wird das Ausmass der Zerstörung nicht nur in den sozialen Medien sichtbar sein, sondern auch in einem massiv geschrumpften Onlinehandel.
Diese Schätzungen berücksichtigen noch nicht die Folgen der jüngsten Blockade durch Donald Trump, die die letzte verbliebene finanzielle Lebensader des Regimes bedroht: die Öleinnahmen, die rund 50 Prozent des Staatshaushalts ausmachen.
Die Realität, die Teheran hinter selbstbewusster Rhetorik und hohlen Siegeserklärungen zu verbergen versucht, ist laut dem Bericht eine andere: Das Regime bewegt sich angeschlagen an den Verhandlungstisch. Es ist schwer verwundet, leidet unter massiven inneren wirtschaftlichen Problemen und ist dringend auf eine Lockerung der Sanktionen angewiesen.
Für die US-Regierung wird es nun entscheidend sein, das tatsächliche Ausmass dieser Schwäche offenzulegen.


