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Mehr Zionismus ist die Rettung für Europa

Israel hat der Welt einen Fahrplan für die Zukunft gegeben, schreibt Alana Newhouse. (Illustrationsfoto: MEDITERRANEAN, iStockphoto)
Europa versucht seit Jahrzehnten, nationale Identität abzubauen – und zerfällt dabei zunehmend. Israel zeigt einen anderen Weg.

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«Die westliche Welt braucht einen Nationalismus, der auf die Zukunft ausgerichtet ist und seine Eigenheiten verteidigen kann, während er zugleich individuelle und gesellschaftliche Freiheit schützt», schreibt Alana Newhouse, Chefredaktorin des Tablet Magazine.

Der Zionismus hat das jüdische Leben in den letzten 150 Jahren radikal verändert. Diese Fähigkeit, den Lauf der Geschichte zu verändern, sei eine Art Technologie, die für eine nationale Erneuerung überall genutzt werden könne, argumentiert Alana Newhouse in einem neuen Artikel mit dem Titel «Zionism for Everyone».

Israel ist ein Beispiel

Die Chefredaktorin des Tablet Magazine nennt vier Fragen, die darüber entscheiden, ob eine freie Gesellschaft langfristig überleben kann:

  • Kann die Gesellschaft ihre Bevölkerung erhalten?
  • Hat die Gesellschaft die Fähigkeit und den Willen, sich selbst zu verteidigen?
  • Sind die Menschen glücklich?
  • Ist die Gesellschaft geeint und klug genug, um die Chancen der Zukunft zu nutzen?

Newhouse ist überzeugt, dass Israel das einzige westliche Land ist, das alle vier Prüfungen besteht. Unter allen OECD-Staaten sei Israel das einzige Land mit einer Geburtenrate über dem Bestandserhaltungsniveau. Trotz ständiger Kriege liege Israel zudem regelmässig weit oben im Glücksindex, und die Fähigkeit sowie der Wille des Landes zur Selbstverteidigung seien allgemein bekannt.

Nationalismus wurde entwertet

Zwei starke Kräfte hätten den Nationalismus in den vergangenen 80 Jahren entwertet, schreibt Newhouse.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sei westlicher Nationalismus – geprägt durch kommunistische Propaganda – als kriminell dargestellt worden, während der Nationalismus postkolonialer Staaten als Tugend gegolten habe. «Diese unlogische Regel wurde in einem angeblichen moralischen Gefälle zwischen Unterdrückern, denen alles verboten war, und Unterdrückten, denen alles erlaubt war, verankert», schreibt Newhouse. Die UNO sei von totalitären und kollektivistischen Staaten genutzt worden, um die Macht westlicher Länder einzuschränken – eine Macht, die diese gerade deshalb erlangt hätten, weil sie nicht totalitär oder kollektivistisch gewesen seien.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus hätten zudem die Kräfte des globalen Kapitalismus dazu beigetragen, den Nationalismus abzuwerten. Neue Technologien und globale Grosskonzerne hätten versucht, nationale Unterschiede möglichst auszulöschen und alles zu standardisieren, um ihre eigenen Systeme effizienter zu machen.

«Menschen wurden zu gleichwertigen funktionalen Einheiten in einem globalen System gemacht, das die Mauern umging, die zuvor von Regierungen, Medien und Sprachen errichtet worden waren – also jene Bereiche des Lebens, die unterschiedliche Kulturen überhaupt erst ausmachen.»

Ethnostaaten

Doch der Nationalismus sei nicht tot. «Westliche Eliten verstanden nicht, dass die Nation – ähnlich wie das Rad – zu jenen Erfindungen gehört, deren Nutzen für den Menschen mit der Zeit nur noch wächst», schreibt Newhouse.

Die Antwort auf mehrere Herausforderungen Europas sei deshalb mehr Zionismus. Israel könne als Beispiel dafür dienen, wie freie Staaten im kommenden Jahrhundert Sicherheit und Wohlstand schaffen können.

Israel werde oft vorgeworfen, ein Ethnostaat zu sein. Doch jeder, der Israel besucht habe, wisse, dass das Land keineswegs auf Mitglieder einer bestimmten Ethnie beschränkt sei. Schon seit dem Auszug aus Ägypten habe das Volk Israel Menschen aufgenommen, die ethnisch nicht jüdisch gewesen seien. In Israel entstehe heute ein neues Ethos, das Juden unterschiedlichster Herkunft, Araber, Drusen und andere Minderheiten miteinander verbinde.

Auch seien Ethnostaaten historisch keineswegs ungewöhnlich gewesen – vielmehr seien sie lange die Regel gewesen. Die meisten Staaten, die nach dem Zusammenbruch der österreichischen, russischen und osmanischen Imperien entstanden seien, seien ebenfalls Ethnostaaten gewesen.

«Das Wort Ethnos bezeichnet letztlich einfach eine Gruppe von Menschen, die sich selbst als Träger bestimmter gemeinsamer kultureller Merkmale verstehen, die sie von anderen Gruppen unterscheiden», schreibt Newhouse.

Wie definiert man eine Nation?

Alle Nationen und Kulturen definieren sich unterschiedlich. Eine Person japanischer Abstammung, die in Peru aufgewachsen ist und kein Japanisch spricht, würde von den meisten Japanern dennoch als Japaner anerkannt werden. Dasselbe würde jedoch kaum für eine Person französischer Abstammung gelten, die in Peru aufgewachsen ist. Für Franzosen seien Sprache und gegenwärtige politische Zugehörigkeit oft wichtiger als Ethnie.

«Was ich betonen möchte, ist, dass man Ethnos oder Kultur wie ein riesiges Mischpult verstehen kann, bei dem Land, Abstammung, Sprache, Religion, Überzeugungen und andere Eigenschaften wie Tonspuren funktionieren – wie Schlagzeug, Bass, Gitarren, Bläser oder Gesang –, die unterschiedlich stark hervorgehoben werden können.»

Entscheidend sei nie nur ein einzelnes Merkmal, sondern die besondere Kombination, die eine Nation erkennbar mache – sowohl für ihre eigenen Bürger als auch für Aussenstehende.

Ein zukunftsorientierter Nationalismus

Newhouse glaubt auch zu wissen, weshalb der Zionismus auf so grossen Widerstand stösst. Er verkörpere genau das, was die politische Rechte im Westen erreichen wolle, aber oft nicht erreiche – und was die politische Linke als unmöglich darstellen wolle: einen Nationalismus, der auf die Zukunft statt auf die Vergangenheit ausgerichtet sei und zugleich individuelle und gesellschaftliche Freiheit schütze.

Um den Zionismus nachzuahmen, müsse man bereit sein, Risiken einzugehen.

«Es war der zielgerichtete Pragmatismus und die wilde Hoffnung einiger tausend Männer und Frauen, die aus dem Erbe eines jahrtausendelang in täglichen Gebeten lebendig gehaltenen nationalen Traums einen modernen Staat schufen. Dieser Staat begann mit weit weniger Ressourcen als seine Nachbarn, die vom britischen Empire unterstützt wurden – und übertraf sie dennoch bald militärisch und wirtschaftlich.»

Newhouse wünsche sich Führungspersönlichkeiten, die verstehen, dass erfolgreicher Nationalismus weder aggressiver Patriotismus noch ethnischer Chauvinismus sei.

«Es geht darum, die Realität anzuerkennen und anzunehmen, dass wir alle der Welt mit unserer eigenen Geschichte und Perspektive begegnen – und dass wir ohne diese nicht befreit, sondern beraubt wären.»

Newhouse ruft dazu auf, den Zionismus zu bewundern, weil er ein Vorbild sei. Nur durch unsere Besonderheiten könnten wir das Universelle überhaupt erreichen – weil gerade unsere Besonderheiten uns echt machten.

Ihr Appell an die Leser lautet:

«In einer Zeit technologischer und politischer Ideologien, die darauf abzielen, die Unterschiede zwischen Menschen einzuebnen, sollten Sie sich mit Familie, Freunden und anderen Menschen verbinden, die verstehen, dass das Auslöschen unserer Unterschiede uns nicht näher zusammenbringt, sondern uns nur maschinenähnlicher macht.»

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Sehen Sie hier, wie Alana Newhouse gemeinsam mit dem israelischen Journalisten und Podcast-Moderator Haviv Rettig Gur über die Ideen ihres Artikels spricht: