Wer die Berichterstattung über Israel regelmässig verfolgt, stösst immer wieder auf dieselben Muster. Bestimmte journalistische Techniken prägen die Wahrnehmung eines Ereignisses oft stärker als die eigentlichen Fakten. In ihrer Summe können sie dazu führen, dass ein komplexer Verteidigungskrieg gegen terroristische Organisationen als einfache Geschichte von Tätern und Opfern dargestellt wird – mit Israel in der Rolle des Täters und den Terrororganisationen in der Rolle der Opfer.
Im Folgenden werden fünf Techniken beschrieben, die in der Berichterstattung über Israel besonders häufig anzutreffen sind.
- Der Kontext wird gelöscht
Eine der wirksamsten Methoden der Manipulation besteht darin, Ursache und Wirkung voneinander zu trennen.
Militärische Operationen Israels werden häufig dargestellt, als würden sie aus dem Nichts erfolgen. Vorausgehende Raketenangriffe, Terroranschläge, Warnungen an die Zivilbevölkerung oder diplomatische Bemühungen bleiben oft unerwähnt. Ebenso fehlen regelmässig Hinweise auf die Rolle terroristischer Organisationen, die ihre Infrastruktur bewusst in Wohngebieten, Schulen oder Krankenhäusern platzieren.
Wird dieser Kontext entfernt, erscheint ein militärischer Schlag nicht mehr als Reaktion auf eine konkrete Bedrohung, sondern als isolierter und scheinbar grundloser Gewaltakt.
- Kinder werden als emotionales Propagandainstrument eingesetzt
Kaum etwas löst stärkere Emotionen aus als Berichte über getötete Kinder. Entsprechend gross ist ihre Wirkung auf die öffentliche Wahrnehmung.
Deshalb stehen Meldungen über tote Kinder oft im Zentrum der Berichterstattung, während andere relevante Informationen in den Hintergrund treten. Die Wirkung ist unmittelbar: Der Leser reagiert emotional, bevor er Gelegenheit hat, die Umstände eines Vorfalls kritisch zu prüfen.
Hinzu kommt, dass Opferzahlen in bewaffneten Konflikten häufig von Behörden oder Institutionen stammen, die von den Konfliktparteien selbst kontrolliert werden. Im Gazastreifen gilt dies beispielsweise für das Gesundheitsministerium, das der Kontrolle der Hamas untersteht. Dennoch werden solche Angaben oft bereits in den ersten Stunden nach einem Vorfall als Tatsachen verbreitet, obwohl eine unabhängige Überprüfung noch gar nicht möglich ist. Und selbst wenn sich die Angaben später als übertrieben, irreführend oder falsch herausstellen, ist es oft zu spät: Die ursprüngliche Sensationsmeldung hat sich bereits weltweit verbreitet und die öffentliche Wahrnehmung geprägt. Korrekturen oder spätere Präzisierungen erhalten in der Regel nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit der ersten Schlagzeilen.
Zudem wird selten darauf hingewiesen, dass Terrororganisationen Minderjährige teilweise als Kämpfer, Kuriere, Beobachter oder Mitglieder bewaffneter Gruppen einsetzen. Fällt ein 16- oder 17-Jähriger bei einem Gefecht, wird er in westlichen Medien häufig ausschliesslich als „Kind“ bezeichnet. Diese Darstellung mag juristisch korrekt sein, kann aber zugleich ein irreführendes Bild der tatsächlichen Umstände vermitteln.
Moralische Empörung ersetzt so häufig die nüchterne Analyse.
- Die Terroristen werden unsichtbar gemacht
Eine weitere Technik besteht darin, die eigentlichen Akteure des Konflikts aus der Darstellung zu entfernen.
In vielen Berichten treten Terrororganisationen kaum als handelnde Subjekte in Erscheinung. Stattdessen heisst es, Israel habe eine Stadt, ein Quartier oder ein Gebäude angegriffen. Die Organisationen, gegen die sich die Operation richtet, verschwinden aus Überschrift und Einleitung.
Auch bei Opferzahlen wird oft nicht zwischen Terroristen, bewaffneten Begleitern und unbeteiligten Zivilisten unterschieden. Dadurch entsteht der Eindruck, sämtliche Getöteten seien zivile Opfer gewesen.
Das Resultat ist ein verzerrtes Bild, in dem die eine Seite aktiv handelt, während die andere Seite lediglich als passives Opfer erscheint.
- Angaben von Terrororganisationen werden unkritisch übernommen, israelische Angaben dagegen systematisch relativiert
In vielen Konflikten verfügen Journalisten nur über eingeschränkten Zugang zu den Kampfgebieten. Umso wichtiger wäre eine sorgfältige Prüfung der verwendeten Quellen.
Tatsächlich werden jedoch Angaben von Terrororganisationen oder von ihnen kontrollierten Behörden häufig erstaunlich unkritisch übernommen. Opferzahlen, Beschreibungen von Vorfällen oder Behauptungen über angebliche Kriegsverbrechen finden oft schon wenige Minuten nach einem Ereignis ihren Weg in internationale Schlagzeilen, obwohl eine unabhängige Verifikation fehlt.
Später stellen sich manche dieser Meldungen als falsch, übertrieben oder unvollständig heraus. Die ursprüngliche Behauptung hat dann jedoch oft bereits die öffentliche Wahrnehmung geprägt.
Gleichzeitig werden israelische Angaben regelmässig mit Formulierungen wie „Israel behauptet“, „nach Angaben der israelischen Armee“ oder „die Armee will“ versehen. Eine kritische Prüfung staatlicher Aussagen gehört selbstverständlich zur journalistischen Arbeit. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Skepsis nur gegenüber einer Seite angewendet wird.
Hinzu kommt, dass wichtige Informationen häufig unerwähnt bleiben: etwa die umfangreichen Warnsysteme Israels, Evakuierungsaufrufe vor Angriffen oder die rechtlichen Prüfverfahren innerhalb der israelischen Streitkräfte. Dadurch entsteht der Eindruck, militärische Entscheidungen würden ohne rechtliche oder moralische Schranken getroffen.
- Militärische Analyse wird durch humanitäre Dramaturgie ersetzt
Jeder bewaffnete Konflikt hat eine humanitäre Dimension. Journalismus sollte jedoch nicht nur Leid dokumentieren, sondern auch erklären.
Statt nach den strategischen Zielen einer Operation zu fragen, konzentriert sich ein grosser Teil der Berichterstattung ausschliesslich auf die unmittelbaren Folgen vor Ort. Fragen nach militärischer Notwendigkeit, operativer Wirksamkeit oder den Zielen der beteiligten Akteure treten in den Hintergrund.
Dadurch wird es für das Publikum schwierig, die militärische Logik eines Konflikts nachzuvollziehen. Die Berichterstattung beschreibt dann vor allem die Folgen eines Krieges, erklärt aber nicht mehr, weshalb die beteiligten Akteure handeln, wie sie handeln.
Wer verstehen will, warum eine Armee ein bestimmtes Ziel angreift, muss wissen, welches militärische Ziel verfolgt wird, welche Bedrohung beseitigt werden soll und welche Alternativen zur Verfügung standen. Werden diese Fragen nicht gestellt, bleibt nur die Darstellung von Zerstörung und Leid zurück.
Fazit
Keine dieser Techniken muss für sich allein genommen zwangsläufig auf bewusste Manipulation zurückgehen. Treten sie jedoch regelmässig gemeinsam auf, entsteht ein konsistent manipulatives Narrativ: Israel erscheint als aggressiver Akteur, während terroristische Organisationen aus dem Blickfeld verschwinden oder als Randerscheinung behandelt werden.


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