Es ist 8 Uhr, als die MIFF-Mitarbeiter Per Arne Vatnøy und Bjarte Bjellås ins Auto steigen, um nach Metula ganz im Norden Israels zu fahren. Die kleine Stadt mit rund 2500 Einwohnern war in den letzten Jahren die Frontlinie im Kampf gegen die Hisbollah.
Metula liegt nur wenige hundert Meter von der Grenze zum Libanon und vom schiitischen Dorf Kfar Kila entfernt, das der Hisbollah als Stützpunkt diente. Von diesem Dorf aus hat die vom Iran unterstützte Terrorgruppe Soldaten wie Zivilisten in Israel mit Panzerabwehrraketen, Scharfschützen und Drohnen angegriffen.
Nach anderthalbstündiger Fahrt von Haifa, der grössten Stadt im Norden Israels, trifft das Reportageteam von MIFF in Metula ein. Dort empfängt uns Stéphane Juffa, Chefredaktor der Nachrichtenagentur Metula News Agency und einer der führenden Experten für die Hisbollah und die Sicherheitslage im Norden Israels.
„Im Moment ist es ruhig hier, aber Sie werden während Ihres Besuchs wohl den einen oder anderen Knall hören“, sagt Juffa, als er die MIFF-Mitarbeiter bei sich zu Hause empfängt.
Er erklärt, dass die israelische Artillerie nur 150 Meter von seinem Haus entfernt steht. Immer wieder knallt es, wenn gezielte Angriffe auf Stellungen der Hisbollah erfolgen.
„Wir wachen noch immer fast jede Nacht von heftigen Explosionen auf“, erklärt Juffa.
Hinzu kommen weiterhin Raketen und Drohnen der Hisbollah. In der Nacht vor unserer Ankunft musste das Raketenabwehrsystem Iron Dome einen Angriff der Hisbollah abfangen.
Juffas Nachrichtenagentur besitzt zwei Wohnhäuser in Metula. Beide wurden im Krieg beschädigt, der nur einen Tag nach dem Massaker vom 7. Oktober ausbrach. Am 8. Oktober 2023 griff auch die Hisbollah Israel an – im Norden. Im Herbst 2024 gipfelte der Konflikt mit der Hisbollah in einem offenen Krieg und dem Einmarsch Israels in den Südlibanon.
Seit dem Sommer gilt eine Waffenruhe – zumindest auf dem Papier.
„Fast alle, die hier wohnten, sind geflohen. Wir gehörten zu den wenigen, die geblieben sind. Es war, als lebte man in einem Kriegsfilm, mit Raketen, die hin und her flogen. In diesem Quartier, in dem wir uns jetzt befinden, wurde rund die Hälfte der Häuser beschädigt oder zerstört. Mehrere werden nun wieder aufgebaut“, erklärt Juffa.
Er leitet die Metula News Agency seit Jahrzehnten und gehört zu den führenden Experten für die Sicherheitslage im Norden und die Bedrohung durch die Hisbollah. Dennoch habe ihn noch nie ein Journalist aus Norwegen besucht, erzählt er.
„Wir hatten Besuch von Journalisten aus der ganzen Welt, aber nicht aus Norwegen.“
Nach einem halbstündigen Gespräch bei Juffa zu Hause nimmt er uns in einem älteren Range Rover auf eine Fahrt mit. Er möchte uns die Lage im Norden aus nächster Nähe zeigen. Nach ein paar Minuten erklärt Juffa, dass wir nun in ein militärisches Sperrgebiet fahren.
„Auf der anderen Seite der Mauer liegt der Libanon“, sagt Juffa, während wir einer grossen Mauer entlangfahren, die zum Schutz vor der Terrorgruppe Hisbollah errichtet wurde.
Wir halten an einem Tor, nur wenige Meter vom Libanon entfernt. Von hier aus sehen wir israelische Spezialkräfte, die ins Nachbarland hinübergehen, um Einsätze gegen die libanesische Terrorgruppe durchzuführen. Filmen und Fotografieren ist hier verboten.
Auf der libanesischen Seite der Mauer, nur wenige Meter von unserem Standort entfernt, sehen wir, dass sämtliche Gebäude zerstört sind. Laut Juffa befanden sich darin Waffenlager, und sie boten Stellungen der Hisbollah Deckung. Heute steht das Gebiet unter israelischer Kontrolle.
Eine Pufferzone, die sich mehrere Kilometer weit in den Libanon erstreckt, hat dazu geführt, dass die Bewohner von Metula und anderen Orten ganz im Norden Israels sicherer leben können.
Denn während Metula früher die Frontlinie zur Hisbollah bildete, liegt die Front heute auf libanesischem Gebiet. Deshalb sind manche Einwohner inzwischen zurückgekehrt, doch bisher sind erst rund 500 der 2500 Einwohner wieder da.
„Viele trauen sich noch immer nicht, nach Hause zurückzukehren, vor allem Familien mit Kindern.“
Juffa fährt mit uns auf eine Anhöhe, von der aus wir in den Libanon, hinüber nach Syrien und hinunter auf die israelischen Städte Metula und Kiryat Shmona blicken können. Von hier sehen wir das zerstörte Hisbollah-Dorf an der Front, aber auch viele intakte libanesische Dörfer entlang der Grenze zu Israel.
„Auf der Anhöhe dort drüben sehen Sie eine Stadt mit 8000 Einwohnern namens Qlayaa. Qlayaa ist eine christliche Stadt, und einige der nächstgelegenen Häuser zwischen Qlayaa, der christlichen Stadt, und Kfar Kila, dem schiitischen [Hisbollah-Dorf], liegen nur 30 Meter voneinander entfernt. Trotzdem wurde kein einziges Haus in Qlayaa getroffen“, sagt Juffa.
Er zeigt auch auf mehrere andere christliche und sunnitische Städte und Dörfer entlang der Grenze zu Israel, die vom Krieg gegen die Hisbollah verschont geblieben sind.
„Das ist wichtig zu betonen, denn wir stehen jetzt an der Front. Das möchte ich allen verständlich machen. Kein einziges Haus in den christlichen Städten entlang der gesamten Frontlinie wurde zerstört. Auch bei den Sunniten, den Drusen, den Orthodoxen oder den Alawiten wurde kein Haus zerstört“, sagt Juffa und fährt fort:
„Das liegt daran, dass wir nicht mit diesen Dörfern im Krieg sind. Wir sind nicht im Krieg mit dem Libanon – wir sind im Krieg mit der Hisbollah, den Stellvertretern der Iraner.“
Sehen Sie die Videoreportage von MIFF über den Besuch an der Frontlinie im Norden:


