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Gaza-Journalist: Filmte Gewalt gegen Geiseln – und hielt die Videos zurück, um den Mob zu schützen

Der palästinensische Journalist Motaz Azaiza bei einer Kundgebung in London 2024. (Foto: Steve Eason/Flickr)
Der Fotograf Motaz Azaiza räumt ein, gefilmt zu haben, wie palästinensische Zivilisten israelische Geiseln verprügelten. Die Aufnahmen hielt er jedoch zurück, damit die Geiselnehmer und der Mob nicht zur Verantwortung gezogen würden.

Motaz Azaiza, ein palästinensischer Fotograf und Journalist aus Gaza, der in westlichen Medien grosse Aufmerksamkeit erhalten hat, hat in einem längeren Interview mit dem Journalisten Ahmed Biqui im Podcast „Taqarrab“ aufsehenerregende Eingeständnisse gemacht.

Nachdem Hamas-Terroristen in Israel eingedrungen waren und rund 1200 Menschen getötet hatten, verschleppten sie 251 Geiseln in den Gazastreifen. Mehrere Geiseln wurden durch die Strassen gefahren und von der Hamas zur Schau gestellt. Azaiza berichtet, er habe gefilmt, wie mehrere palästinensische Zivilisten die israelischen Geiseln angriffen.

Dennoch entschied er sich, diese Aufnahmen nie zu veröffentlichen.

„Ich sah das Fahrzeug der Al-Qassam-Brigaden [Hamas], in dem sich israelische Gefangene befanden. Die Leute kamen heraus, schauten zu, schlugen sie und griffen sie an. Ich folgte ihnen und filmte. Aber ich veröffentlichte diese Videos nicht. Warum? Weil ich das Leben der gefilmten Personen nicht zerstören wollte“, sagt er im Podcast.

Azaiza erklärt, er habe den Mob schützen wollen, der die israelischen Geiseln angriff.

„Mir war klar, dass Israel diese Videos nutzen würde, um jede einzelne Person vor Ort zu identifizieren und zu eliminieren. Ich wollte nicht dafür verantwortlich sein, auch nicht indirekt, dass diese Menschen starben, nur um ein paar Likes und Aufrufe im Internet zu bekommen“, sagt er.

Azaiza verliess den Gazastreifen rund vier Monate nach Kriegsausbruch und lebt inzwischen in Katar. Das Time Magazine zählte ihn zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Ausserdem wurde er für den Friedensnobelpreis nominiert. In den sozialen Medien hat er Millionen Follower.

Die Hamas stellt israelische Geiseln vor ihrer Freilassung am 8. Februar 2025 zur Schau. (Foto: Flash90)

Die Aussagen des Fotografen aus Gaza untermauern, was Israel seit Langem erklärt: Das Massaker, die Entführungen und die Misshandlungen am 7. Oktober wurden nicht nur von uniformierten Hamas-Terroristen verübt, sondern auch von Zivilisten aus dem Gazastreifen.

Hamas schüchtert Journalisten systematisch ein

Im Podcast schilderte Azaiza zudem, wie die Hamas systematisch Journalisten mundtot macht, die sich nicht an das Narrativ der Terrororganisation halten. Er berichtete von einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe namens „Smart“, die von einem führenden Hamas-Medienverantwortlichen am Grenzübergang Rafah geleitet werde.

Veröffentlicht ein Fotograf oder Journalist etwas, das Unzufriedenheit mit der Hamas erkennen lässt, werden seine persönlichen Daten und seine Telefonnummer in der Gruppe verbreitet. Daraufhin kann das Netzwerk den Betroffenen angreifen, beschimpfen und bedrohen.

„Fotografen in Gaza haben sich daran gewöhnt, die Kamera sofort zu senken, sobald jemand etwas Negatives über die Hamas sagt. Denn jeder, der es wagt, die Wirklichkeit zu zeigen, wird gnadenlos verfolgt“, sagt er.

Obwohl Azaiza die Hamas kritisiert, unterstützt er den bewaffneten Kampf gegen Israel.

Der Fall zeigt in aller Deutlichkeit, wie streng der Informationsfluss aus Gaza während des Krieges kontrolliert und manipuliert wurde: Unbequeme Wahrheiten über Übergriffe auf israelische Geiseln wurden verschwiegen, während kritische Stimmen gegen die Hamas innerhalb Gazas rücksichtslos unterdrückt wurden.

Über den Autor: 

Bjarte Bjellås ist Journalist und Redaktor bei MIFF Norwegen. Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Norwegisch bei miff.no und wurde für MIFF DACH ins Deutsche übersetzt und redaktionell bearbeitet.