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Die BR-Journalistin Julia Ruhs geht gleich zu Beginn auf Distanz zu ihrem Untersuchungsgegenstand und betont: Untersucht werden soll nicht die Religion Islam, sondern die extremistische Ideologie «Islamismus».
Unter dem Sendetitel «Scharia-Richter, TikTok-Islamisten, Parallelwelten: Wo uns Islamismus unterwandert» beleuchtet sie verschiedene vermeintliche Manifestationen des Islamismus im deutschen Alltagsleben: Schulkinder, die zum Ramadanfasten genötigt werden, Frauen, die von ihren Ehemännern gezüchtigt werden, ein Lehrer, der Morddrohungen erlebt, junge Muslime, die Schariagesetze befürworten und Missachtung gegenüber der demokratischen Gesellschaftsordnung Deutschlands zeigen, sowie Antisemitismus und extremistische Propaganda.
Die Reportage deckt mit anderen Worten so etwas ab, was viele Europäer derzeit undifferenziert als «islamische Kultur» näher kennenlernen, bezeichnet es jedoch als «Islamismus».
Diese Begriffswahl ist im Kontext einer ansonsten lobenswerten Reportage nicht ganz zutreffend.
«Islamismus» bezeichnet in der Islamwissenschaft das Bestreben, den Islam politisch umzusetzen. Als islamistisch gilt demnach der politische Islam, der islamische Gesetzgebung als Rahmenbedingung für die Gesellschaft einführen will. Dieses Bestreben per Definition als extremistisch einzuordnen, wirkt wenig respektvoll – auch wenn viele Aspekte islamischer Gesetzgebung für die meisten christlich geprägten Europäer natürlich inakzeptabel sind.
Zudem beleuchtet die Reportage Phänomene, die zwar typisch für islamisch geprägte Milieus sein können, aber nicht notwendigerweise islamistisch sind. Das gilt etwa für den «Klassikerfall», dass Nicht-Muslime zum Ramadanfasten oder zu anderen islamischen Gebräuchen gedrängt oder genötigt werden. Solche Vorkommnisse sind verbreitet, entsprechen jedoch keiner religiösen Vorschrift des Islam – und auch nicht allen islamischen Kulturschichten.
Somit untersucht Julia Ruhs letztlich weder die Religion Islam noch dessen politische Ausprägung Islamismus, sondern vielmehr eine Mischung aus religiösen Überzeugungen und mehr oder weniger typischen kulturellen Praktiken.
Trotz dieser kritischen Anmerkungen zur begrifflichen Präzision ist die Sendung informativ und empfehlenswert für alle, die sich vertieft über die islamische Integration in Deutschland oder anderen europäischen Ländern informieren möchten.
«Ist Islamismus eine Gefahr für die Gesellschaft?», fragt Julia Rohs einleitend in ihrer Reportage. Ihre Dokumentation beantwortet diese Frage anhand exemplarischer Beispiele mit einem klaren Ja. Diese Klarheit ist eine Stärke.
Zuletzt ein Wohlbemerkt: Die qualitative Einordnung der BR-Sendung wird neuerdings auch durch Umfragewerte untermauert:
Dieses Faktum allein sollte zu denken geben, dass es sich hierbei um ein wesentlich tiefer liegendes Phänomen handelt als bloss um «Extremismus».
Über den Autor:
Dr. philos. Jens Tomas Anfindsen unterrichtet seit vielen Jahren in den Bereichen Religion, Philosophie und Ethik. Er ist Leiter von MIFF DACH und Redakteur von Israelfrieden.org.



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