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Volkswagen ersetzt Autos durch Raketenabwehr: Deutschlands Israel-Politik im Zwiespalt

Volkswagen erwägt, die Autoproduktion in einem Werk durch die Herstellung von Luftabwehrkomponenten zu ersetzen. (Foto: iStock)

Der deutsche Autoriese hat mit schwachen Verkaufszahlen bei Neuwagen zu kämpfen. Die Rettung könnte ausgerechnet ein israelisches Raketenabwehrsystem sein.

Die Financial Times berichtet, dass der deutsche Konzern Volkswagen Gespräche mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael Advanced Systems führt, um das System Iron Dome zu produzieren. Konkret geht es darum, das Werk im niedersächsischen Osnabrück von der Auto- auf die Produktion von Komponenten für die Luftabwehr umzustellen.

Europas grösster Autobauer steht seit Jahren unter Druck: Die Nachfrage nach Neuwagen ist sowohl in Europa als auch in China schwach, gleichzeitig sind die Zölle in den USA gestiegen. In der Folge hat Volkswagen begonnen, die Fahrzeugproduktion zurückzufahren.

Die Produktion in Osnabrück soll voraussichtlich 2027 eingestellt werden, womit rund 2300 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Deshalb prüft Volkswagen nun alternative Nutzungsmöglichkeiten für das Werk, um die Arbeitsplätze zu sichern. Eine Option ist die Beteiligung an Iron Dome.

Dabei geht es nicht um die Herstellung der eigentlichen Abfangraketen des Systems, sondern um Lastwagen, die Raketen, Abschussvorrichtungen und Generatoren transportieren.

Volkswagen erklärte in einer Stellungnahme, man prüfe verschiedene Optionen, um die Produktion am Standort aufrechtzuerhalten, eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. Weder Rafael noch die deutschen Behörden haben sich zum möglichen Projekt geäussert.

Anfang dieses Monats sagte jedoch Yuval Steinitz, Verwaltungsratspräsident von Rafael, in einem Interview mit Bild, Israel habe Deutschland angeboten, beim Ausbau seiner Verteidigungssysteme zu helfen, unter anderem durch die Produktion von Iron Dome auf deutschem Boden.

Rafael stellt bereits mehrere Verteidigungssysteme in Deutschland her, darunter Trophy und die Panzerabwehrrakete MELLS. Ersteres schützt Fahrzeuge vor Panzerabwehrwaffen, Lenkwaffen, raketengetriebenen Granaten und ähnlichen Bedrohungen.

Das System Trophy wird auch auf den neuen 54 Kampfpanzern Norwegens installiert, die in Deutschland produziert werden.

Das Werk in Osnabrück könnte innerhalb von 12 bis 18 Monaten von der Automobilproduktion auf die Herstellung von Komponenten für Iron Dome umgestellt werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Mitarbeitenden einem Wechsel in die Rüstungsindustrie zustimmen.

🟦 MIFF kommentiert

Wie MIFF bereits früher festgehalten hat, wächst in Europas politischen Entscheidungszentren das Verständnis für Israel als sicherheitspolitischen Partner – und zwar deutlich. Nach aussen jedoch tritt die EU weiterhin primär als Kritikerin Israels auf und verurteilt regelmässig dessen Verteidigungsmassnahmen.

Dieses Spannungsfeld zeigt sich auch exemplarisch im Falle Deutschlands. Auf industrie- und sicherheitspolitischer Ebene findet eine immer engere Zusammenarbeit und technologische Integration statt, nun also bis hin zur möglichen Produktion des Iron Dome. Gleichzeitig geht die politische Führung immer wieder auf Distanz, wenn es um konkrete Unterstützung Israels in Konflikten geht – jüngst sichtbar in der Weigerung der Bundesregierung, Israel im Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof gegen den Genozid-Vorwurf politisch beizustehen.

Der diplomatische Diskurs Deutschlands steht somit in einem auffälligen Widerspruch zu seinem realpolitischen Handeln – und zu seiner Staatsräson.

Dieser Spagat zwischen sicherheitspolitischer Abhängigkeit und politischer Verurteilung untergräbt die eigene Glaubwürdigkeit. Wer Israel als strategischen Partner braucht, kann es nicht gleichzeitig auf internationaler Bühne isolieren, ohne sich dem Vorwurf der Heuchelei auszusetzen.

Europa – und immer wieder Deutschland – fehlt eine klare Linie.

Europas grösster Automobilhersteller erwägt, das Raketenabwehrsystem Iron Dome zu produzieren. (Foto: iStock)