Die Umfrage wurde am Montag für die Nachrichtenseite Walla durchgeführt und von der Jerusalem Post auf Englisch veröffentlicht.
Yashar, angeführt vom früheren Generalstabschef Gadi Eisenkot, legt auf 23 Mandate zu, während der Likud ein Mandat verliert und auf 19 kommt. B’Yachad („Gemeinsam“), die Liste, auf der die früheren Ministerpräsidenten Naftali Bennett und Yair Lapid gemeinsam antreten, gewinnt ein Mandat hinzu und kommt auf 14.
So verteilen sich die Mandate
Partei oder Liste | Mandate | Block in der Umfrage |
Yashar | 23 | Eisenkots Block |
Likud | 19 | Netanyahus Block |
B’Yachad | 14 | Eisenkots Block |
Demokraten | 9 | Eisenkots Block |
Yisrael Beytenu | 8 | Eisenkots Block |
Shas | 8 | Netanyahus Block |
Otzma Yehudit | 8 | Netanyahus Block |
Vereinte Liste | 8 | Ausserhalb der Blöcke |
Vereinigtes Thora-Judentum (UTJ) | 7 | Netanyahus Block |
Religiöser Zionismus und Zehut | 6 | Netanyahus Block |
Ra’am | 6 | Ausserhalb der Blöcke |
Reservisten und Wirtschaftspartei | 4 | Ausserhalb der Blöcke |
Total | 120 |
Walla-Umfrage, veröffentlicht am 20. Oktober. Religiöser Zionismus und Zehut treten auf einer gemeinsamen Liste an. „Ausserhalb der Blöcke“ bezeichnet Parteien, die in dieser Umfrage keinem der beiden Hauptblöcke zugerechnet werden.
Ofer Winters rechte Partei Am Yisrael („Volk Israel“) hat erklärt, sie könne sich vorstellen, einer von Netanyahu geführten Regierung anzugehören. Die Partei kommt auf 2,9 Prozent und bleibt damit unter der Sperrklausel von 3,25 Prozent. Die Liste Reservisten und Wirtschaftspartei, angeführt von Yoaz Hendel und Yaron Zelekha, schafft dagegen den Sprung über die Hürde.
Kein Block erreicht 61
Netanyahus Block sinkt von 49 auf 48 Mandate. Die vier Oppositionsparteien um Eisenkot, also Yashar, B’Yachad, die Demokraten und Yisrael Beytenu, bleiben bei 54 Mandaten.
Die arabischen Parteien Vereinte Liste und Ra’am kommen zusammen auf 14 Mandate. In dieser Umfrage werden sie, zusammen mit den Reservisten, ausserhalb der beiden Blöcke gezählt. Selbst mit den vier Mandaten der Reservisten käme Eisenkots Block nur auf 58, also drei weniger als die Mehrheitsschwelle.
Laut Walla zeigt dies, wie wichtig die Parteien ausserhalb der Blöcke werden können. Die Blockzuordnung in der Umfrage entscheidet jedoch nicht darüber, welche Parteien am Ende gemeinsam eine Regierung bilden können.
Die Reservisten haben noch nicht entschieden, welche Seite sie unterstützen wollen. Die arabischen Parteien standen traditionell ausserhalb israelischer Regierungen, doch die Times of Israel weist darauf hin, dass Ra’am 2021–22 der Regierung Bennett–Lapid angehörte.
Die Walla-Umfrage beruht auf 601 Befragten aus einem Onlinepanel und hat eine angegebene Fehlermarge von 4 Prozentpunkten. Walla betont selbst, dass Veränderungen um ein Mandat deshalb mit Vorsicht zu interpretieren seien.
Andere Umfragen zeigen dasselbe Bild
Die am Montagabend veröffentlichten Umfragen weisen in dieselbe Richtung. Laut Haaretz gab Kanal 12 Yashar 24 Mandate und dem Likud 21 sowie Eisenkots Block 55 Mandate gegenüber 51 für Netanyahus Block.
Die Umfrage von Kanal 13 wurde am Sonntag durchgeführt, einen Tag bevor sich Gantz zurückzog. Sie zeigte ein knapperes Rennen: Yashar erhielt 20 Mandate und der Likud 18, Eisenkots Block 51 gegenüber 50 für Netanyahus Block.
In beiden Umfragen haben die Parteien, die gegen Netanyahu sind, eine Mehrheit an Mandaten, wenn die arabischen Parteien mitgezählt werden. Einige Parteien in Eisenkots Block lehnen jedoch eine Zusammenarbeit mit den arabischen Parteien ab. Eine Mehrheit gegen Netanyahu ist deshalb nicht zwingend eine Mehrheit für eine alternative Regierung, wie die Berichterstattung von Haaretz zeigt.
Die Umfragen unterscheiden sich vor allem bei den Kleinparteien rund um die Sperrklausel. Bei Kanal 13 liegen sowohl Am Yisrael als auch die Reservisten über der Hürde; Winters Partei wird dann Netanyahus Block zugerechnet. Bei Kanal 12 liegen beide darunter, mit 2,8 beziehungsweise 2,1 Prozent.
Zman Yisrael, die Schwesterseite der Times of Israel, veröffentlichte am Donnerstag vergangener Woche eine Umfrage. Sie gab Yashar 26 Mandate gegenüber 20 für den Likud und Eisenkots Block 54 gegenüber 49 für Netanyahus Block, wie die Times of Israel berichtet.
Gantz: „Die Verantwortung liegt bei mir“
Benny Gantz, früherer Generalstabschef und Verteidigungsminister, gab am Montag bekannt, dass sich Blau-Weiss aus der Wahl zurückzieht. Die Partei lag einst an der Spitze der Umfragen, liegt aber seit mehreren Monaten deutlich unter der Sperrklausel.
Da die Ankündigung so kurz vor der Wahl erfolgte, wird der Stimmzettel der Partei dennoch in den Wahllokalen aufliegen. Laut Times of Israel sind Stimmen für die Partei jedoch verloren.
„Leider ist es mir nicht gelungen, genügend Menschen zu überzeugen, und die Verantwortung liegt bei mir“, sagte Gantz an einer Pressekonferenz am Montagabend, wie die Times of Israel berichtet.
Zugleich rief er die politischen Führer beider Blöcke dazu auf, eine breite zionistische Einheitsregierung zu bilden.
Gantz hat keine Empfehlung für eine andere Partei abgegeben. Auf die Frage von Ynet, wen er selbst bei der Wahl unterstützen werde, antwortete er, er habe sich noch nicht entschieden, berichtet The Media Line.
Laut Jerusalem Post begrüsste der Vorsitzende der Demokraten, Yair Golan, den Entscheid. Yoaz Hendel dankte Gantz und rief dessen Wähler auf, stattdessen die Reservisten zu wählen.
Im rechten Lager forderte Aussenminister Gideon Sa’ar (Likud) laut Times of Israel Parteien, die unter oder knapp an der Sperrklausel liegen, auf, dem Beispiel von Gantz zu folgen. Am Yisrael hat seinerseits mitgeteilt, im Rennen zu bleiben, berichtet die Jerusalem Post.
Keine unmittelbare Wirkung von Trumps Unterstützung
Am Sonntag sicherte US-Präsident Donald Trump Netanyahu für die Wahl seine „vollständige und totale“ Unterstützung zu, berichtet NBC News.
Laut Times of Israel zeigte die Umfrage von Kanal 12 am Tag danach keinen unmittelbaren Aufschwung für Netanyahu. Auf die Frage, wer sich am besten als Ministerpräsident eigne, nannten 45 Prozent Eisenkot und 33 Prozent Netanyahu.
Israel wählt den Ministerpräsidenten nicht direkt. Entscheidend ist, welche Parteien in der Knesset genügend Unterstützung für eine Regierung zusammenbringen.
Wie sicher sind sich die Wähler?
Walla fragte auch, wie sicher sich die Wähler ihrer Entscheidung sind. 45 Prozent antworteten, sie seien sich ganz sicher, 49 Prozent, sie seien sich ziemlich sicher. Unter den Wählern in Netanyahus Block waren sich 54 Prozent ganz sicher, gegenüber 35 Prozent unter den Wählern in Eisenkots Block.
Die Wahl findet am Dienstag, 27. Oktober, statt und ist die erste seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. Laut Israel Hayom ist es ab Freitag, 23.59 Uhr israelischer Zeit, bis zur Schliessung der Wahllokale am Wahltag verboten, neue Umfragen zu veröffentlichen.


