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Bericht: Netzwerk mit Verbindungen zu Iran und Hamas steht hinter antiisraelischen Demonstrationen in Europa

„Pro-palästinensischer“ Protest im Vieux-Port von Marseille, Frankreich. (Foto: juanorihuela/iStock)
Die Demonstrationen werden häufig als spontane Graswurzelbewegungen dargestellt. Tatsächlich werden viele von ihnen von einem global koordinierten und finanzierten Netzwerk aus Organisationen mit Verbindungen zu Irans Revolutionsgarden, Hamas, Hisbollah und der Muslimbruderschaft organisiert, erklärt das Forschungsinstitut NGO Monitor in einem neuen Bericht. Auch Schweizer Steuergelder fliessen an eine Organisation, die an der Mobilisierung beteiligt war.

Die antiisraelischen Demonstrationen, die nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 in Grossbritannien massiv zunahmen, werden von einem global vernetzten und finanzierten Netzwerk nichtstaatlicher Organisationen getragen. Ziel sei es, Propaganda der iranischen Revolutionsgarden (IRGC), islamistische und antiwestliche Narrative sowie die Forderung nach einer Beseitigung Israels zu verbreiten.

Zu diesem Schluss kommt das in Jerusalem ansässige Forschungsinstitut NGO Monitor in seinem 129 Seiten umfassenden Bericht „Imported Influence“. Die Untersuchung wurde am Mittwoch, dem 8. Juli, im britischen Oberhaus vorgestellt und konzentriert sich daher hauptsächlich auf in Grossbritannien tätige NGOs. Der Bericht zeigt jedoch auch, wie Schweizer Steuergelder an Oxfam GB flossen und damit zur Finanzierung der Infrastruktur einer Organisation beitrugen, die zwei der untersuchten antiisraelischen Demonstrationen unterstützte.

Nach Angaben von NGO Monitor soll der Bericht die Vorstellung widerlegen, bei den Demonstrationen handle es sich um spontane Graswurzelbewegungen. Stattdessen seien sie Teil einer gut koordinierten Kampagne von NGOs, Interessengruppen und ausländischen Akteuren. Diese wollten den Eindruck einer breiten antiisraelischen Stimmung in der Bevölkerung erzeugen und damit die internationale Politik beeinflussen.

40 Organisationen untersucht – jede dritte ausserhalb jeder Regulierung

Der Bericht untersucht 40 Organisationen, die nach dem 7. Oktober wiederholt als zentrale Akteure hinter grossen Demonstrationen und Mobilisierungskampagnen in Grossbritannien auftraten. NGO Monitor zufolge wurden 80 Prozent der untersuchten Demonstrationen von NGOs organisiert. Viele der beteiligten Gruppen umgingen britische Transparenzvorschriften, indem sie Spenden über amerikanische gemeinnützige Strukturen sammelten.

Von den 40 Organisationen sind zehn als gemeinnützige Organisationen, acht als Unternehmen und neun als hybride Strukturen registriert. Dreizehn operieren dagegen vollständig ausserhalb des formellen britischen Regulierungsrahmens – obwohl sie erhebliche Geldbeträge aus der Öffentlichkeit einwerben.

Mindestens elf der 40 Organisationen haben dem Bericht zufolge Verbindungen zu extremistischen oder terrornahen Akteuren. In anderen Fällen hätten führende Vertreter dieser Organisationen entsprechende Akteure getroffen oder mit ihnen zusammengearbeitet.

Genannt werden unter anderem das iranische Regime und seine Revolutionsgarden, Hamas, Hisbollah, die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) und die Muslimbruderschaft. Zu den Organisationen mit solchen Verbindungen zählt NGO Monitor Friends of Al-Aqsa, die Palestine Solidarity Campaign und die Muslim Association of Britain.

Der Bericht weist zudem auf erhebliche personelle Überschneidungen zwischen den sechs wichtigsten Koordinierungsgruppen hin. Der frühere Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn ist beispielsweise Vizepräsident der Campaign for Nuclear Disarmament, stellvertretender Präsident der Stop the War Coalition und Schirmherr der Palestine Solidarity Campaign.

Schweizer Millionen für Oxfam GB

Neunzehn der untersuchten Organisationen erhalten staatliche Unterstützung aus Grossbritannien – entweder über das britische Aussenministerium oder indirekt durch die steuerliche Begünstigung von Spenden im Rahmen des sogenannten Gift-Aid-Systems. Die öffentlichen Finanzströme reichen jedoch weit über Grossbritannien hinaus.

Mindestens elf der untersuchten Organisationen erhalten NGO Monitor zufolge Steuergelder aus anderen Ländern oder über öffentliche Institutionen. Genannt werden unter anderem die USA, Belgien, die Europäische Kommission, Irland, Norwegen, Schottland, Schweden und die Schweiz.

Die wichtigste Schweizer Spur im Bericht führt zu Oxfam GB. Die britische Oxfam-Organisation nahm 2025 insgesamt rund 339,4 Millionen Pfund ein. Davon stammten laut den im NGO-Monitor-Bericht ausgewerteten Jahresberichten 2,502 Millionen Pfund aus der Schweiz.

Oxfam GB trat bei zwei der 40 untersuchten Demonstrationen als unterstützende Organisation auf: bei „Red Line for Gaza“ am 6. September 2025 sowie bei einer landesweiten Gaza-Demonstration britischer Mitarbeiter des Gesundheitswesens am 10. Juli 2025.

Die Schweizer Gelder waren damit nicht nachweislich unmittelbar für diese Demonstrationen bestimmt. NGO Monitor weist jedoch darauf hin, dass Geld innerhalb einer Organisation austauschbar ist: Die Finanzierung humanitärer Programme kann indirekt die allgemeine Infrastruktur, das Personal und die öffentliche Präsenz einer Organisation stärken. Die Verbindung mit staatlichen Geldgebern verschaffe den Empfängerorganisationen zudem eine gesellschaftliche Legitimität, die auch ihren politischen Kampagnen und Mobilisierungsaktivitäten zugutekommen könne.

Problematische palästinensische Partner

Oxfam GB arbeitet in den palästinensischen Gebieten mit mehreren lokalen Partnerorganisationen zusammen. Dazu gehören laut Bericht die Palestinian Medical Relief Society, Juzoor for Health and Social Development, die Cultural & Free Thought Association und das Palestine Agricultural Relief Committee.

Mustafa Barghouti, Gründer und Präsident der Palestinian Medical Relief Society, pries die von der Hamas angeführten Angriffe vom 7. Oktober 2023 im iranisch verbundenen Fernsehsender Al Mayadeen öffentlich als einen „ruhmreichen Tag für den palästinensischen Widerstand und das palästinensische Volk“. Er bestritt zudem wiederholt die Berichte über systematische sexuelle Gewalt während des Massakers.

NGO Monitor verweist darüber hinaus auf Mitarbeiter anderer Oxfam-Partner, die in sozialen Medien die PFLP unterstützt oder verherrlicht haben sollen.

Interne Dokumente des Sicherheitsapparats der Hamas erwähnen ebenfalls eine Zusammenarbeit mit „Oxfam“. Aus den Dokumenten geht allerdings nicht hervor, ob damit Oxfam GB oder ein anderer Teil des internationalen Oxfam-Netzwerks gemeint ist.

Deutschland beendete Zusammenarbeit mit Islamic Relief

Eine weitere im Protestnetzwerk vertretene Organisation ist Islamic Relief UK, die britische Abteilung von Islamic Relief Worldwide. Islamic Relief UK wird im Bericht als Unterstützerin einer der 40 untersuchten Demonstrationen geführt.

Das internationale Islamic-Relief-Netzwerk wurde in mehreren Ländern wegen mutmasslicher Verbindungen zu islamistischen Bewegungen und Hamas-nahen Akteuren untersucht. Das deutsche Bundesinnenministerium verwies im November 2020 auf „erhebliche Verbindungen“ von Islamic Relief Worldwide zur Muslimbruderschaft und erklärte die Zusammenarbeit mit der Organisation für beendet.

Die USA beendeten ihre Zusammenarbeit mit Islamic Relief Worldwide 2021 unter Hinweis auf wiederholte antisemitische Äusserungen aus der Führung der Organisation. Auch die Niederlande stellten ihre Unterstützung ein.

2014 nahmen die Vereinigten Arabischen Emirate sowohl Islamic Relief Worldwide als auch Islamic Relief UK in ihre Liste terroristischer Organisationen auf. Im selben Jahr erklärte das israelische Verteidigungsministerium Islamic Relief Worldwide zu einer illegalen Organisation. Es warf ihr vor, als eine weitere Finanzierungsquelle der Hamas zu dienen.

Auch mehrere Finanzinstitute haben ihre Beziehungen zu Teilen des Netzwerks beendet. Die Schweizer Grossbank UBS schloss 2012 das Konto von Islamic Relief Worldwide. HSBC folgte 2016 aus Sorge, Hilfsgelder könnten terroristische Organisationen erreichen.

Amerikanische Stiftungen und Kryptowährungen

Der Bericht nennt ausserdem amerikanische Stiftungen und linksgerichtete Aktivistengruppen wie die Open Society Foundations, Action Network, Cultures of Resistance und den Rockefeller Brothers Fund als bedeutende Geldgeber oder Unterstützer des Netzwerks.

Mindestens zwei Organisationen – CAGE und Palestine Action – sammeln darüber hinaus Spenden in Kryptowährungen. Palestine Action wurde 2025 in Grossbritannien als Terrororganisation eingestuft. Ein britisches Berufungsgericht bestätigte das Verbot am 15. Juni 2026 mit der Begründung, die Gruppe fördere „offen rechtswidrige Gewalt, die Terrorismus darstellt“.

Die Mitgründerin der Organisation kündigte an, eine Berufung vor dem Obersten Gerichtshof Grossbritanniens anzustreben. Aufgrund des Verbots können die Mitgliedschaft in Palestine Action oder die öffentliche Unterstützung der Organisation mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Mobilisierung junger Menschen

Ein bedeutender Teil der Mobilisierungsarbeit richtet sich laut Bericht gezielt an junge Menschen. Amnesty International UK betreibt unter anderem das vollständig finanzierte Programm „Rise Up“ für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 24 Jahren.

Dabei werden die Teilnehmer in Protestrechten, Medienarbeit und Kampagnenstrategien geschult. Nach Angaben von NGO Monitor liegt ein besonderer Schwerpunkt auf antiisraelischem Aktivismus und störenden Protestaktionen.

„Eine erhebliche destabilisierende Bedrohung“

Anne Herzberg, Rechtsberaterin von NGO Monitor, stellte die Ergebnisse im britischen Oberhaus vor. Eingeladen worden war sie von Lord Walney, dem früheren unabhängigen Berater der britischen Regierung für politische Gewalt und Extremismus.

„Die antiisraelischen Proteste, die nach dem 7. Oktober in der gesamten westlichen Welt explodierten, werden als Graswurzelappelle für die Menschenrechte der Palästinenser dargestellt. Tatsächlich werden sie, wie unser neuer Bericht dokumentiert, von einem global vernetzten und finanzierten Netzwerk von NGOs organisiert, das IRGC-Propaganda, islamistische und antiwestliche Narrative sowie die Beseitigung Israels fördert“, sagte Herzberg.

Viele dieser Gruppen hätten offene Verbindungen zur Hamas und anderen Terrorakteuren. Es sei an der Zeit, diese Demonstrationen als erhebliche destabilisierende Bedrohung zu betrachten und ihre Netzwerke von den Behörden untersuchen zu lassen.

Auch Lord Walney äusserte sich deutlich:

„Ich habe bereits früher argumentiert, dass es nicht richtig sein kann, dass Organisationen alle Privilegien gemeinnütziger Einrichtungen geniessen, während gegen sie wegen Verbindungen zum Extremismus ernsthaft ermittelt wird, und dass unsere Aufsichtsbehörden viel zu oft zu langsam und zu schwach handeln. Die hier zusammengetragenen Belege bekräftigen dieses Argument zusätzlich.“

NGO Monitor empfiehlt unter anderem, die iranischen Revolutionsgarden, die PFLP und die Muslimbruderschaft in Grossbritannien als Terrororganisationen einzustufen. Die britischen Behörden sollten ausserdem die Finanzströme des Protestnetzwerks untersuchen und die Transparenzvorschriften für die ausländische Finanzierung einheimischer Aktivistennetzwerke verschärfen.

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Konsultieren Sie hier den vollständigen Bericht „Imported Influence.