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UNO-Vorwurf des Kindermords: Wo sind die Beweise?

Die von Navi Pillay geleitete UNO-Untersuchungskommission präsentierte am 23. Juni 2026 ihren Bericht über angeblich gezielte israelische Angriffe auf palästinensische Kinder. (Foto: UNO)
Eine von den Vereinten Nationen eingesetzte Untersuchungskommission wirft Israel in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht vor, palästinensische Kinder gezielt zu töten. Der britische Journalist und Nahostkommentator Jonathan Sacerdoti hält diese Schlussfolgerung für nicht belegt. In einem Beitrag für The Spectator kritisiert er vor allem die Beweisführung des Berichts.

Sacerdoti betont zunächst die Schwere des Vorwurfs. Wer einem Staat vorwirft, Kinder gezielt zu töten, erhebt nicht einfach Kritik an der Kriegsführung, sondern beschuldigt ihn eines der schwersten denkbaren Kriegsverbrechen. Eine solche Anschuldigung verlangt entsprechend klare und belastbare Beweise für eine konkrete Tötungsabsicht. Diese liegen gemäss Sacerdoti jedoch gar nicht vor.

Sein zentrales Argument formuliert er so:

So you would expect, at minimum, one clearly documented case: a soldier who identified a child as a child, and killed that child for no reason other than that they were a child. After 94 pages, the Commission cannot produce one.

Wenn Israel tatsächlich Kinder gezielt angreifen würde, müsste ein 94-seitiger Untersuchungsbericht zumindest einen klar dokumentierten Fall vorlegen können, in dem ein Soldat ein Kind als Kind erkannt und gerade deshalb getötet hat. Nach Sacerdotis Einschätzung gelingt der Kommission dies nicht. Statt konkrete Belege für eine Politik der Kindstötung vorzulegen, dokumentiere der Bericht vor allem tragische Todesfälle von Minderjährigen in einem komplexen Kriegsgeschehen. Dies deutet auf eine unzulässige Vermischung von Opferzahlen und Motiven, die den Beweisstandard des Berichts untergräbt.

Hohe Opferzahlen beweisen keine Tötungsabsicht

Der Autor bestreitet weder das Leid der Zivilbevölkerung noch die hohe Zahl getöteter Minderjähriger. Er kritisiert jedoch, dass die Kommission aus den Opferzahlen direkt auf eine Absicht schliesst.

Dabei verweist er auf ein häufig übersehenes Problem: Die Gesundheitsbehörde in Gaza führt grundsätzlich alle unter 18-Jährigen als Kinder. Die Statistik unterscheidet nicht zwischen unbeteiligten Minderjährigen und Jugendlichen, die aktiv an Kampfhandlungen teilnehmen.

Nach Angaben Israels und verschiedener Beobachterorganisationen setzt aber Hamas regelmässig auch Minderjährige ein. Zudem operieren Hamas-Kämpfer meist in ziviler Kleidung und nicht in Uniform. Dadurch wird die Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten erheblich erschwert.

Hamas verwischt bewusst die Grenzen

Sacerdoti erinnert daran, dass Hamas ihre militärischen Aktivitäten systematisch in dicht besiedelten Wohngebieten durchführt. Kämpfer bewegen sich unter der Zivilbevölkerung, nutzen zivile Infrastruktur und treten häufig nicht als Kombattanten in Erscheinung.

Unter solchen Bedingungen seien zivile Opfer tragischerweise unvermeidbar. Dies sei jedoch etwas anderes als die Behauptung, Kinder würden bewusst als Ziel ausgewählt.

Der Fall des Jugendlichen an der Sicherheitslinie

Ein problematisches Beispiel findet sich in einem Fall, den die Kommission als exemplarischen Beleg für gezielte Tötungen anführt. Es betrifft einen Jugendlichen aus Gaza, der erschossen wurde, nachdem er eine von israelischen Streitkräften festgelegte Sicherheitslinie überschritten hatte. Sacerdoti weist darauf hin, dass Soldaten in solchen Sperrzonen festen Einsatzregeln (Rules of Engagement) unterliegen. Wer eine solche Linie überschreitet, kann unabhängig von Alter oder Identität als Bedrohung eingestuft werden. Der Vorfall belege daher nicht, dass der Jugendliche wegen seines Alters erschossen wurde.

Die eigentliche Frage

Für Sacerdoti ist die entscheidende Frage nicht, ob Kinder im Krieg sterben – das steht ausser Zweifel. Entscheidend sei vielmehr, ob nachgewiesen werden kann, dass Israel Kinder gerade deshalb tötet, weil sie Kinder sind.

Sein Urteil über den UNO-Bericht fällt klar aus: Die Kommission dokumentiere tragische Todesfälle, liefere aber keinen Beweis für die Behauptung, Israel verfolge eine Politik gezielter Kindstötungen.

Referenzen

United Nations Independent International Commission of Inquiry on the Occupied Palestinian Territory, including East Jerusalem, and Israel (2026): The essence of childhood has been destroyed: Israel’s deliberate targeting of Palestinian children in the Occupied Palestinian Territory since 7 October 2023. Veröffentlicht am 23. Juni 2026.

Sacerdoti, Jonathan (2026): No, Israel isn’t deliberately targeting children in Gaza. The Spectator, 25. Juni 2026.