Antisemitische Übergriffe sind in den Ländern mit den grössten jüdischen Gemeinschaften ausserhalb Israels weiterhin erschreckend weit verbreitet. Zu diesem Ergebnis kommt der zweite Jahresbericht der J7 – Large Communities’ Task Force Against Antisemitism.
Für das Jahr 2025 registrierten die beteiligten Organisationen mehr als 23.000 antisemitische Vorfälle in Argentinien, Australien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten. In diesen sieben Ländern leben zusammen mehr als 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung ausserhalb Israels.
Die J7-Arbeitsgruppe wurde 2023 gegründet. Ihr gehören führende jüdische Organisationen aus den sieben Staaten an. Sie soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Antisemitismus verbessern und gemeinsame politische Strategien entwickeln.
Das tödlichste Jahr seit mehr als drei Jahrzehnten
Besonders alarmierend ist die Zahl der Todesopfer. Im Verlauf des Jahres 2025 wurden 20 Menschen bei antisemitisch motivierten Angriffen ermordet. Damit war es für jüdische Gemeinschaften ausserhalb Israels das tödlichste Jahr seit dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires im Jahr 1994.
Alle tödlichen Angriffe ereigneten sich in J7-Staaten:
- Bei einer Chanukka-Feier am Bondi Beach in Sydney wurden 15 Menschen ermordet.
- Ein Angriff auf die Heaton-Park-Synagoge in Manchester forderte am Jom Kippur zwei Todesopfer.
- Vor dem Capital Jewish Museum in Washington, D.C., wurden zwei Menschen getötet.
- In Boulder im US-Bundesstaat Colorado starb ein Mensch infolge eines antisemitischen Angriffs.
Weiterhin weit über dem Niveau vor dem 7. Oktober
Zwar ging die Gesamtzahl der registrierten Vorfälle 2025 in einigen Ländern gegenüber dem Vorjahr zurück. In den USA betrug der Rückgang 33 Prozent, in Australien 20 Prozent sowie in Kanada und Frankreich jeweils 16 Prozent. Grossbritannien verzeichnete dagegen einen Anstieg um fünf Prozent, Argentinien um vier Prozent und Deutschland um knapp ein Prozent.
Diese Veränderungen dürfen nach Einschätzung der Autoren jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahlen in sämtlichen J7-Staaten weiterhin erheblich über dem Niveau vor dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 liegen. Verglichen mit 2022 nahm die Gesamtzahl der antisemitischen Vorfälle in den sieben Ländern um 136 Prozent zu, die Zahl gewalttätiger Vorfälle um 97 Prozent.
Betrachtet man den Zeitraum seit 2021, zeigt sich die stärkste Zunahme in Australien mit 270 Prozent. Dahinter folgen Deutschland mit 215 Prozent, die USA mit 131 Prozent und Frankreich mit 124 Prozent.
Deutschland weist die höchste relative Belastung auf
Gemessen an der Grösse der jüdischen Bevölkerung nimmt Deutschland innerhalb der J7 eine besonders besorgniserregende Position ein. Im Jahr 2025 wurden dort nahezu 70 antisemitische Vorfälle je 1.000 jüdische Einwohner registriert.
Damit liegt die deutsche Quote annähernd fünfmal so hoch wie die australische, sechsmal so hoch wie die britische und fast 70-mal so hoch wie diejenige der Vereinigten Staaten.
Auch die Untersuchung Irlands, das nicht zu den J7-Staaten gehört, ergibt ein düsteres Bild. Die dortige jüdische Gemeinschaft zählt lediglich rund 2.200 Menschen. Innerhalb von sechs Monaten wurden dennoch 143 antisemitische Vorfälle gemeldet. Das entspricht einer Quote von 65 Vorfällen je 1.000 jüdische Einwohner. Zugleich fehlt es in Irland laut Bericht sowohl an einer nationalen Strategie gegen Antisemitismus als auch an eigens bereitgestellten Mitteln zum Schutz jüdischer Einrichtungen.
Antizionismus als bedeutender Beweggrund
Der Bericht geht auch auf die Motive hinter den dokumentierten Vorfällen ein. Demnach spielte Antizionismus bei einem erheblichen Teil der Fälle eine zentrale Rolle: in Grossbritannien bei 48 Prozent, in den Vereinigten Staaten bei 45 Prozent und in Deutschland bei 23 Prozent.
Die J7 warnt deshalb davor, antisemitische Hetze allein deswegen zu verharmlosen, weil sie sich sprachlich als Antizionismus oder vermeintliche Israelkritik präsentiert. Gesetzliche Lücken, die entsprechende Aufrufe und Drohungen faktisch straflos lassen, müssten geschlossen werden.
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Quellen
J7-Bericht und Zusammenfassung der Anti-Defamation League
Dr. Michal Rachel Suissa, „Er antisemittisme blitt vår nye normal?“, Senter mot antisemittisme (SMA), 2. August 2026.


