Die IDF haben die Namen auf der Website The Press Files veröffentlicht. Die Einträge enthalten Angaben zu den Personen, ihren mutmasslichen militärischen Funktionen sowie ihren zivilen und militärischen Identifikationsnummern. Zur Untermauerung ihrer Angaben haben die IDF bei einem Teil der Einträge auch Dokumente und Fotos veröffentlicht.
Nach Angaben der IDF gehörten 118 der 170 Personen dem militärischen Flügel der Hamas und 49 dem Islamischen Dschihad an. Zwei gehörten den Volkswiderstandskomitees an und eine einer Gruppe, die die IDF «Lords of the Desert» nennen. 17 von ihnen sollen während des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 nach Israel eingedrungen sein. Als militärische Funktionen nennen die IDF unter anderem Scharfschützen, Führungskräfte, Ausbilder und Propagandaagenten.
Einige der aufgeführten Personen arbeiteten den Angaben zufolge auch für internationale Medien, darunter Reuters, CNN, BBC, AFP, AP, Le Monde und ABC Australia.
Zu den genannten Beispielen gehört Amro Abu Odeh, der für Reuters und die türkische Nachrichtenagentur Anadolu gearbeitet haben soll. Die IDF bezeichnen ihn als Gruppenführer in der Fotoeinheit des militärischen Flügels der Hamas. Als Teil ihres Materials haben sie Fotos veröffentlicht, die ihn mit einer Kamera beziehungsweise einer Kalaschnikow zeigen.
Hassan Abu Warda, der für die Nachrichtenagentur Barq Gaza arbeitete, war nach Angaben der IDF Scharfschütze in der Nord-Gaza-Brigade des Islamischen Dschihad.
Die IDF erklären zudem, dass mehr als 40 der auf der Liste erfassten Todesfälle zu Verurteilungen Israels durch die Vereinten Nationen geführt hätten.
Terrorgruppen haben mehrere Mitgliedschaften selbst bestätigt
Die Gruppen haben bereits mehrere Personen auf der Liste der IDF selbst als ihre Mitglieder bezeichnet. Hamas und Islamischer Dschihad veröffentlichten in den vergangenen Monaten Todesmeldungen für eigene Mitglieder auf ihren offiziellen Telegram-Kanälen.
Die Times of Israel überprüfte im Juni 2026 mehrere Hundert dieser Namen. Dabei fand die Zeitung mehrere Personen, die zuvor als Journalisten bezeichnet worden waren. Drei von ihnen stehen nun auf der Liste der IDF:
- Yaqoub al-Barsh starb nach einem israelischen Angriff im November 2023 und wurde als Geschäftsführer von Namaa Radio bezeichnet. Im Mai 2026 bezeichnete ihn der militärische Flügel der Hamas als Mitglied eines Bataillons der Nord-Brigade.
- Mohammed Abu Hweidi wurde im Dezember 2023 in Shujaiyya getötet und als Journalist der Zeitung Al-Istiqlal bezeichnet. Die damalige UNESCO-Generaldirektorin verurteilte seine Tötung. Im März 2026 führte ihn der Islamische Dschihad als Mitglied seiner militärischen Medieneinheit auf.
- Ahmed Abu Aisha wurde im Juli 2025 bei einem Drohnenangriff in Nuseirat getötet und als Journalist des Fernsehsenders Palestine Today bezeichnet. Am 1. Juni 2026 gab der militärische Flügel des Islamischen Dschihad bekannt, dass er eine Einheit in der zentralen Informationsabteilung der Gruppe geleitet hatte.
Eine Studie des israelischen Meir-Amit-Zentrums vom Dezember 2025 untersuchte 266 Personen, die als Journalisten bezeichnet und in Gaza getötet worden waren. Der Studie zufolge waren rund 60 Prozent Mitglieder von Terrorgruppen oder hatten eindeutige Verbindungen zu ihnen.
Journalistenorganisation CPJ hat Namen von ihrer Liste gestrichen
Die Liste der IDF wurde eine Woche nach einer Überarbeitung der eigenen Übersicht durch das Committee to Protect Journalists (CPJ), eine Organisation zum Schutz von Journalisten, veröffentlicht. Die Todesmeldungen von Hamas und Islamischem Dschihad hatten die Überprüfung ausgelöst. CPJ strich 19 Palästinenser von der Liste, nachdem die Organisation zu dem Schluss gekommen war, dass sie Angehörige bewaffneter Gruppen gewesen waren oder an Kampfhandlungen teilgenommen hatten, berichtet AP.
Laut AP schliesst CPJ inzwischen alle Personen mit aktiver Mitgliedschaft in einem militärischen Flügel aus. Zuvor hatte die Organisation die Mitgliedschaft in einer militärischen Medieneinheit allein nicht als Teilnahme an Kampfhandlungen gewertet.
Seit dem 7. Oktober 2023 hat CPJ insgesamt 27 Personen gestrichen, weil sie an Kampfhandlungen teilgenommen hatten oder einer bewaffneten Gruppe angehörten, darunter al-Barsh und Abu Hweidi. Die Organisation zählt weiterhin 191 palästinensische Journalisten und Medienschaffende als von israelischen Streitkräften getötet.
Kritik aus Deutschland und der Schweiz
Unter den 170 Personen befindet sich auch der Al-Jazeera-Reporter Anas al-Sharif, der am 10. August 2025 bei einem israelischen Angriff in Gaza-Stadt getötet wurde. Nach Angaben der IDF war er Offizier auf Kompanieebene in der Artilleriekompanie der Nord-Gaza-Brigade der Hamas.
Auch im deutschsprachigen Raum löste dieser Angriff scharfe Kritik aus. Das deutsche Auswärtige Amt erklärte am folgenden Tag, die Berichte über die Tötungen mit Bestürzung zur Kenntnis genommen zu haben. Es verurteilte die Tötung von Journalisten grundsätzlich und verlangte von Israel eine transparente Erklärung. Zugleich betonte das Ministerium, zum konkreten Einzelfall noch keine eigenen Erkenntnisse zu haben. Israel müsse darlegen, weshalb al-Sharif seinen Schutzstatus als Journalist verloren habe und warum bei dem Angriff weitere Medienschaffende getötet worden seien.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verurteilte den Angriff ebenfalls. «Wir verlangen Aufklärung über die Hintergründe der Tötungen», erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster am 11. August 2025. Selbst wenn al-Sharif ein Terrorist gewesen sein sollte, rechtfertige dies nach Beusters Einschätzung keinen Luftangriff auf das Journalistenzelt, in dem sich das Al-Jazeera-Team aufgehalten habe.
Auf der Website der Schweizer Sektion von Reporter ohne Grenzen wurde am selben Tag eine Erklärung veröffentlicht, in der die Organisation den Angriff aufs Schärfste verurteilte und eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats forderte. Die gegen al-Sharif erhobenen Terrorismusvorwürfe bezeichnete sie als nicht stichhaltig belegt.
CPJ führt al-Sharif weiterhin als getöteten Journalisten.
IDF fordern Korrekturen und Entschuldigungen
In einem Video, das die IDF am Donnerstag auf X veröffentlichten, sagt ihr Sprecher, Brigadegeneral Effie Defrin, den israelischen Streitkräften werde seit fast drei Jahren vorgeworfen, Journalisten in Gaza gezielt anzugreifen.
«Lassen Sie mich eines klarstellen: Eine Presseweste macht terroristische Aktivitäten nicht ungeschehen. Eine Kamera verleiht einem Terroristen keine Immunität. Die IDF greifen Journalisten nicht wegen ihres Berufs an. Wir greifen Terroristen an, die unsere Bevölkerung bedrohen», sagt Defrin.
Seiner Ansicht nach wurden Soldaten der IDF immer wieder kritisiert, bevor die Fakten überprüft worden waren, auch von einigen der weltweit führenden Nachrichtenmedien.
«Und jetzt, da die Wahrheit ans Licht gekommen ist: Wo sind die Korrekturen? Wo sind die Entschuldigungen? Wenn die Anschuldigung eine Schlagzeile wert war, dann verdienen auch die Fakten eine», sagt er.
Defrin richtet abschliessend einen Appell an diejenigen, die die IDF vorschnell beschuldigt hätten, und an diejenigen, die geglaubt hätten, was er als Lügen der Hamas bezeichnet.
«Haben Sie den Mut, den Fakten ins Auge zu sehen», sagt Defrin.
Beispiele aus «The Press Files»: Fotos palästinensischer Journalisten neben militärischen Gedenktafeln, auf denen bewaffnete Gruppen sie als ihre Mitglieder ehren.


