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Vom PLO-Unterstützer zum strategischen Partner: So wurde Griechenland zu einem der wichtigsten Verbündeten Israels

Der Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums, Amir Baram (l.), und sein griechischer Amtskollege Ioannis Bouras unterzeichneten am 31. August 2026 das umfassende Verteidigungsabkommen. (Foto: Verteidigungsministerium)
Griechenland gehörte einst zu den schärfsten Kritikern Israels in Europa und rettete 1982 Jassir Arafat aus Beirut. Heute setzt Athen in einem historischen Abkommen auf israelische Technologie, um sich gegen militärische Bedrohungen zu schützen.

In den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren war Griechenland Israel gegenüber ähnlich feindselig eingestellt, wie es heute Länder wie Irland und Spanien sind. Während des ersten Libanonkrieges 1982 ging die griechische Regierung sogar so weit, Schiffe nach Beirut zu entsenden, um PLO-Chef Jassir Arafat und Tausende seiner Terroristen in Sicherheit zu bringen. Athen galt damals als sicherer Hafen für die antiisraelische Politik in Europa.

Heute hat sich die Lage vollständig gewandelt. Als wichtiges NATO-Land an der südöstlichen Flanke Europas hat sich Griechenland zu einem der bedeutendsten strategischen Partner Israels im Mittelmeerraum entwickelt, schreibt die Jerusalem Post in einem Leitartikel.

Ein historisches Verteidigungsabkommen

Wie eng diese Partnerschaft inzwischen ist, zeigt ein kürzlich unterzeichnetes Verteidigungsabkommen im Wert von rund drei Milliarden Euro. Es handelt sich um das grösste Verteidigungsgeschäft zwischen Griechenland und Israel und um eines der umfangreichsten Exportabkommen in der Geschichte der israelischen Rüstungsindustrie.

Im Rahmen des Abkommens, das den Namen „Achilles-Schild“ trägt, wird Israel ein vollständiges und integriertes Luftverteidigungssystem zum Schutz des griechischen Luftraums liefern. Dazu gehören unter anderem:

  • David’s Sling: Schutz vor ballistischen Raketen und weitreichenden Geschossen.
  • Spyder und Barak MX: Luftverteidigung gegen Marschflugkörper, Flugzeuge und Drohnen.
  • Drone Dome und moderne Radarsysteme: Zur Erkennung und Abwehr unbemannter Bedrohungen.

Bei dem Abkommen geht es nicht nur um den Kauf einzelner Waffensysteme, sondern um eine umfassende Sicherheitslösung, die unter realen Angriffsbedingungen entwickelt, getestet und eingesetzt wurde. Griechenland konnte in den vergangenen drei Jahren beobachten, wie wirksam die israelische Luftverteidigung Raketen und Flugkörper von Hisbollah, Hamas und Iran abgewehrt hat.

Warum vollzog Griechenland die Kehrtwende?

Die strategische Neuorientierung ist eine Reaktion auf die veränderten geopolitischen Realitäten im Mittelmeerraum. In den 1970er- und 1980er-Jahren glaubten griechische Politiker, die arabische Welt als diplomatisches Gegengewicht zu einer expansionistischen und aggressiven Türkei zu benötigen. Deshalb unterstützte Athen die PLO vorbehaltlos und unterhielt enge Beziehungen zu verschiedenen arabischen Regimen.

Heute haben die Griechen erkannt, dass diese Einschätzung falsch war. Was Griechenland zur Wahrung seiner Souveränität angesichts regionaler Instabilität und militärischer Bedrohungen benötigt, sind keine unverbindlichen diplomatischen Versprechen arabischer Staaten, sondern konkrete technologische und militärische Fähigkeiten, wie Israel sie bereitstellen kann.

Von besonderer Bedeutung ist dabei die jahrzehntealte Rivalität mit der Türkei. Zwischen Athen und Ankara bestehen weiterhin Konflikte über Hoheitsrechte und Seegrenzen in der Ägäis, den Luftraum, Zypern sowie die Nutzung von Energieressourcen im östlichen Mittelmeer. Gleichzeitig baut die Türkei ihre Raketen- und Drohnenfähigkeiten kontinuierlich aus. Das israelische Luftverteidigungssystem soll deshalb auch die griechische Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit gegenüber einer möglichen türkischen Bedrohung erheblich stärken. Israel übernimmt damit zwar keine formelle Schutzgarantie für Griechenland, liefert Athen aber zentrale militärische Fähigkeiten, um einem technologisch hochgerüsteten Gegner begegnen zu können.

Auch Finnland an der nordöstlichen Flanke der NATO arbeitet eng mit Israel zusammen und kauft israelische Luftverteidigungssysteme zum Schutz des eigenen Staatsgebietes.

Ein markanter Gegensatz innerhalb Europas

Die Entwicklung in Griechenland und Finnland steht in scharfem Kontrast zur Politik mehrerer nord- und westeuropäischer Staaten. Während Länder wie Irland, Spanien, die Niederlande, Grossbritannien und Norwegen den diplomatischen Druck auf den jüdischen Staat erhöhen und verschiedene Formen des Boykotts erwägen, verknüpft Griechenland seine nationalen Sicherheitsinteressen unmittelbar mit Israel.

Damit hat die Geschichte eine bemerkenswerte Wendung genommen: Das Land, das einst die erklärten Feinde Israels aus Beirut rettete, vertraut heute auf israelische Technologie, um seine eigene Zukunft zu schützen.

Vermutlich werden weitere europäische Staaten diesem Beispiel folgen – insbesondere jene, die der Bedrohung durch russische und iranische Raketen und Drohnen am stärksten ausgesetzt sind.

Sowohl Griechenland als auch Zypern haben das israelische Luftverteidigungssystem Barak MX erworben. (Foto: IAI)

Über den Autor: 

Bjarte Bjellås ist Journalist und Redaktor bei MIFF Norwegen. Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Norwegisch bei miff.no und wurde für MIFF DACH ins Deutsche übersetzt und redaktionell bearbeitet.