2000 Jahre nachdem der Weg verschüttet wurde, ist er nun wieder geöffnet.
Nach jahrelangen Ausgrabungen ist ein 2000 Jahre alter Pilgerweg für die Allgemeinheit freigegeben worden. Der Weg beginnt in einem Gebiet, in dem Archäologen vermuten, dass sich einst das antike Wasserreservoir Siloam am südlichen Ende des historischen Jerusalems befand.
Heute gehört dieses Gebiet zum Viertel Silwan in Ostjerusalem. Der Pilgerweg ist mehrere hundert Meter lang und verläuft unter moderner Infrastruktur. Er endet an einer weiteren archäologischen Ausgrabungsstätte neben der Westmauer (Klagemauer).
Am 20. Januar durfte eine Gruppe von rund 30 Personen den „neuen“ Pilgerweg einweihen, der zwei Jahrtausende lang unter der Erde verborgen lag. Dies war die Hauptstraße des alten Jerusalem, bevor die Stadt im Jahr 70 n. Chr. von den Römern zerstört wurde.
„Es war einfach eine große Ehre, zu den ersten zu gehören, die diese Stufen wieder begehen durften. Es fühlte sich lebendig und echt an, dort zu gehen. Man ist plötzlich über Jahrtausende hinweg verbunden. Es war einfach fantastisch“, sagt die Israelin Shira Greenspan.
Sie wurde von der Times of Israel in einem Artikel über die Wiedereröffnung des Weges interviewt.
Das heute überwiegend arabische Viertel Silwan liegt an einem Hang südlich der Jerusalemer Altstadt. Archäologen gehen davon aus, dass sich hier einst die erste Siedlung der 3000 Jahre alten Stadt befand. Die Ausgrabungsstätte ist als Davidsstadt bekannt.
In diesem Gebiet wurden zahlreiche außergewöhnliche archäologische Funde gemacht, die viel von Jerusalems Geschichte zeigen – von der Zeit des Ersten Tempels (1000–586 v. Chr.), in der ein bedeutender Teil der biblischen Geschichten spielt, bis zur Zeit des Zweiten Tempels. Diese Periode dauerte bis zum Jahr 70 n. Chr.
Damals wurde der Tempel von den Römern zerstört und der Pilgerweg in den Ruinen begraben.
2000 Jahre später ist es nun wieder möglich, den Weg zu begehen, nachdem Archäologen der Israelischen Altertumsbehörde (IAA) 20 Jahre lang daran gearbeitet haben, ihn freizulegen. Es wird angenommen, dass der Weg in den ersten Jahren unserer Zeitrechnung entweder von König Herodes oder vom Statthalter Pontius Pilatus erbaut wurde. Er war die wichtigste Straße zum Tempel von Süden her.
„Dies ist eine der großartigsten archäologischen Entdeckungen in Jerusalem der letzten Jahrzehnte. Zum ersten Mal kann man diese direkte Verbindung zwischen dem Siloam-Teich und dem Tempelberg sehen. Diese Straße lag tausende Jahre lang unter der Erde versiegelt“, sagt Amit Re’em, Chefarchäologe der IAA, zur Times of Israel.
Die archäologischen Ausgrabungen waren nicht ohne Kontroversen. Das Gebiet, in dem sie stattfinden, liegt in Ostjerusalem, das von der internationalen Gemeinschaft als besetzt betrachtet wird. Israel hingegen sieht das Gebiet als integralen Bestandteil seiner Hauptstadt.


