Eine grosse Mehrheit der Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem sowie eine Mehrheit der Israelis glauben nicht, dass Israel und ein unabhängiger palästinensischer Staat friedlich nebeneinander bestehen können. Das zeigt eine neue Umfrage des Pew Research Center.
Nur 17 Prozent der Israelis glauben, dass es einen Weg zu einem friedlichen Zusammenleben gibt. 56 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Unter den befragten Palästinensern im Westjordanland und in Ostjerusalem halten 21 Prozent ein friedliches Zusammenleben für möglich, während 68 Prozent dies für unmöglich halten. Palästinenser aus dem Gazastreifen wurden nicht befragt.
Vertrauen in die Zweistaatenlösung auf einem Tiefstand
Der Glaube an eine Zweistaatenlösung war noch nie so gering, seit Pew vor mehr als zehn Jahren mit diesen Erhebungen begann. 2013 hielt es noch die Hälfte der Israelis für möglich, dass Israel und ein palästinensischer Staat friedlich nebeneinander bestehen könnten.
Bereits 2025 war der Anteil derjenigen, die ein friedliches Zusammenleben für möglich hielten, auf den bis dahin niedrigsten Stand gesunken. 2026 ging dieser Anteil nochmals zurück.
Zugleich erklärt in diesem Jahr erstmals mehr als die Hälfte der israelischen Befragten ausdrücklich, dass sie ein friedliches Zusammenleben für unmöglich hält.
Von den befragten jüdischen Israelis glauben weiterhin 16 Prozent an die Möglichkeit einer Zweistaatenlösung. 64 Prozent sehen hingegen keine Möglichkeit, dass ein israelischer und ein palästinensischer Staat friedlich nebeneinander bestehen können.
Unter den arabischen Israelis geben 46 Prozent an, es nicht zu wissen oder nicht antworten zu wollen. 23 Prozent halten ein friedliches Zusammenleben für möglich, 26 Prozent für unmöglich.
„Wir müssen einen Weg zum Frieden finden“
Pew hat auch Stellungnahmen mehrerer Umfrageteilnehmer eingeholt. Ein 29-jähriger jüdischer Mann, der weiterhin an die Zweistaatenlösung glaubt, sagt: „Wir müssen einen Weg zum Frieden finden – unseren Kindern und ihren Kindern zuliebe.“ Ein 43-jähriger Palästinenser, der ebenfalls an die Zweistaatenlösung glaubt, erklärt: „Wir haben keine andere Wahl, als nebeneinander zu leben und eine andere Lösung zu finden.“
Unter den pessimistischeren Befragten gehören die territorialen Streitfragen zu den wichtigsten Gründen, weshalb sie eine Zweistaatenlösung und ein friedliches Zusammenleben für unmöglich halten. Auch die Sicherheit spielt eine zentrale Rolle. „Sie wollen nicht neben uns leben, sondern unser Land übernehmen“, sagt ein 57-jähriger jüdischer Mann.
Mehrere Befragte erklären, sie hätten nach dem Massaker vom 7. Oktober den Glauben an eine Zweistaatenlösung verloren. „Nach dem, was am 7. Oktober geschehen ist, habe ich jeden Glauben an das palästinensische Volk und an eine Zweistaatenlösung verloren“, sagt ein 36-jähriger jüdischer Mann.
Für die Umfrage wurden 1001 Personen in Israel sowie 1038 Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem befragt. Sie wurde zwischen dem 30. März und dem 6. Mai 2026 durchgeführt – in einem Zeitraum, in dem weiterhin direkte Kampfhandlungen zwischen Israel und dem Iran stattfanden.


