Im September 2015 erklärte Irans damaliger oberster Führer, Ajatollah Ali Khamenei, Israel werde die nächsten 25 Jahre nicht überleben. Dies war nicht bloss leere Rhetorik: Das Regime installierte auf dem Palästina-Platz in Teheran eine riesige digitale Uhr, die den Countdown bis zum Untergang Israels im Jahr 2040 anzeigt.
Nun hat sein Sohn und Nachfolger Mojtaba Khamenei den Staffelstab übernommen. In seiner jüngsten Botschaft bekräftigte er, dass dieser Zeitplan weiterhin gelte. Für das Mullah-Regime ist die Vernichtung Israels kein politisches Verhandlungsziel, sondern eine religiöse und ideologische Pflicht, die bereits von Ajatollah Khomeini im Jahr 1979 festgelegt wurde.
Wie sein Vater bezeichnet auch Mojtaba Khamenei den jüdischen Staat als „Krebsgeschwür“, schreibt der Iran-Experte Yossi Mansharof in Israel Hayom. Dem Countdown in Teheran zufolge bleiben bis zur Vernichtung Israels nun weniger als 15 Jahre.
Das bedeutet: Nach Auffassung des iranischen Regimes bleiben Israel nur noch rund 5200 Tage.
Milliarden für Stellvertreterorganisationen
Diese Ideologie prägt auch die militärische Realität vor Ort. Dokumente, die die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) während der Kämpfe im Gazastreifen beschlagnahmt haben, belegen dies ebenfalls: Die iranischen Revolutionsgarden und ihre Quds-Einheit nutzen die Vision 2040 als direkte Rechtfertigung für die Überweisung von Milliardenbeträgen an ihre Stellvertreterorganisationen, darunter die Terrorgruppen Hamas und Hisbollah.
In den Jahren vor dem Massaker vom 7. Oktober erhöhte Iran seine finanzielle und militärische Unterstützung für die Hamas. Ähnlich wie die Hisbollah im Libanon über Jahre hinweg aufgebaut wurde, sollte auch die Hamas zu einer noch grösseren Bedrohung für Israel werden.
Der übergeordnete Plan bestand darin, die Bedrohungen an sämtlichen Grenzen Israels so weit auszubauen, dass ein koordinierter Mehrfrontenangriff zur Vernichtung Israels führen würde. Doch Hamas und ihr Anführer Yahya Sinwar hatten es eilig. Deshalb griffen sie Israel an, bevor die Operation vollständig mit der Hisbollah und Iran abgestimmt war. Dadurch blieb der von Iran erhoffte vernichtende Angriff aus mehreren Richtungen aus.
Nun arbeitet Iran erneut daran, die Bedrohungen rund um Israels Grenzen auszubauen. Iranische Militärführer und Strategen erklärten kürzlich, die Zeit sei gekommen, „grosse kollektive Operationen“ gegen Israel einzuleiten. Der Zeitplan bis 2040 dient dabei als operativer Kompass für die gesamte von Iran geführte „Widerstandsachse“, die Angriffe von mehreren Fronten koordiniert, um ihr Ziel zu erreichen.
Die Uhr, die den Countdown bis zur Vernichtung Israels zählt, ist daher nicht bloss Propaganda. Sie gibt den Revolutionsgarden und den verschiedenen Akteuren der iranischen Widerstandsachse einen zeitlichen Rahmen für die Umsetzung eines operativen Plans zur Vernichtung Israels.
Die gefährliche westliche Nachgiebigkeit
Während Teheran den Untergang Israels plant und die Tage herunterzählt, zeigen die westlichen Grossmächte nach Ansicht von Mansharof eine gefährliche Naivität.
Kürzlich besuchten norwegische Diplomaten das iranische Regime. Sie erklärten, es sei wichtig, den Dialog aufrechtzuerhalten. Nur wenige scheinen die Bedrohung ernst zu nehmen, die von Iran ausgeht, obwohl das Regime unverändert an seinem Ziel festhält, den weltweit einzigen jüdischen Staat zu vernichten.
Gleichzeitig werden die Verhandlungen zwischen den USA und Iran fortgesetzt. Während Israel den Sturz des Regimes anstrebt, deutet vieles darauf hin, dass die Vereinigten Staaten vor allem eine Vereinbarung erreichen wollen, die die iranische Atomgefahr beseitigt oder zumindest hinauszögert.
Eine solche Vereinbarung könnte dazu führen, dass erneut enorme Geldsummen in die iranische Wirtschaft fliessen. Nach Ansicht Mansharofs würde Iran diese Mittel wiederum für sein Ziel einsetzen, Israel zu vernichten – mit oder ohne Atombombe.
Diese Gelder würden unweigerlich in die Finanzierung der Terrorinfrastruktur rund um Israels Grenzen fliessen. Die Geschichte habe gezeigt, dass Teheran Diplomatie ausschliesslich als Rauchvorhang nutze, um Zeit zu gewinnen, neue Bedrohungen zu entwickeln und seine Angriffe auf israelische Zivilisten auszubauen.
Israel muss von Verteidigung auf Sieg umstellen
Israel hingegen kann es sich nicht leisten, ebenso naiv zu sein wie grosse Teile des Westens. Der jüdische Staat kann die existenzielle Bedrohung durch das Regime in Teheran nicht ignorieren.
Deshalb sind die Ausweitung der Bodenoperationen gegen die Hisbollah und die gezielte Ausschaltung von Hamas-Führern im Gazastreifen wichtige Bestandteile des Kampfes gegen Irans Plan zur Vernichtung Israels. Sie schwächen die Gesamtbedrohung, die von Irans Widerstandsachse ausgeht.
Die Analyse in Israel Hayom zieht einen klaren Vergleich mit einem Boxkampf: Wenn sich ein Boxer ausschliesslich darauf konzentriert, Schläge abzuwehren, und darauf hofft, dass sein Gegner ermüdet, während der andere nur auf den K.-o.-Sieg aus ist, wird die defensive Seite am Ende verlieren.
Deshalb kann sich Israel nicht darauf beschränken, Irans Stellvertreterorganisationen – Hamas, Hisbollah und die Huthi-Miliz – zu bekämpfen. Wenn der jüdische Staat die Bedrohung durch das iranische Regime und dessen 2040-Doktrin überleben will, muss seine Strategie grundlegend verändert werden.
Das Ziel müsse sein, dass das Regime in Teheran stürzt – in Zusammenarbeit mit dem unterdrückten iranischen Volk, das selbst die Befreiung von der Tyrannei des Mullah-Regimes anstrebt, so Mansharof.



