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Douglas Murray: „Israel gewinnt den Krieg“

Rauch steigt nach einer Explosion auf, bei der am 27. September 2026 im Südlibanon Infrastruktur zerstört wurde. (Foto: Ayal Margolin/Flash90)
Fast drei Jahre nach dem 7. Oktober gewinnt Israel den Krieg gegen seine Feinde, meint der britische Autor Douglas Murray, auch wenn das Land den Kampf um die öffentliche Meinung verloren hat. Die am Mittwoch abgewendete Flugzeugkatastrophe auf dem Weg nach Tel Aviv sei ein Sinnbild genau dafür, schreibt er.

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Ein Flugzeug der Flydubai auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv musste am Mittwoch in Saudi-Arabien notlanden. Der Kopilot hatte den Kapitän mit einem Messer niedergestochen und versuchte laut israelischen Behörden, die Maschine mit 174 Menschen an Bord zum Absturz zu bringen. Drei israelische Passagiere stürmten zusammen mit der Besatzung das Cockpit und überwältigten ihn. Danach übernahmen Flydubai-Piloten, die als Passagiere mitreisten, das Steuer und landeten das Flugzeug sicher. Das Motiv ist noch nicht geklärt. Das israelische Aussenministerium bezeichnet den Vorfall als Terrorversuch, während Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gegenüber CBS News sagte, er gleiche eher einem Suizidversuch als einer Entführung.

In einem neuen Kommentar in The Free Press nimmt Douglas Murray das Drama zum Ausgangspunkt. Er zieht Parallelen zu den Passagieren von United Flight 93, die sich am 11. September 2001 gegen die Entführer zur Wehr setzten. Zudem erinnert er an die Flugzeugentführungen, von denen in den 1970er-Jahren israelische Passagiere betroffen waren. Vor allem aber verweise der Vorfall auf etwas Grösseres, schreibt Murray: Israel und der Westen befänden sich nach wie vor im Krieg mit radikalen Islamisten, und es sei ein Krieg, den sie im Begriff seien zu gewinnen.

Militärisch überlegen, im PR-Krieg unterlegen

Murray räumt ein, dass es widersprüchlich wirken mag, von einem Sieg zu sprechen. Täglich werde in den Nachrichten und im Netz behauptet, Israel habe den Krieg verloren. Dennoch steht er zu dem, was er vor einem Jahr geschrieben hat: Israel gewinne militärisch, auch wenn es den PR-Krieg in der Welt verloren habe. Dieser Kampf sei wichtig, aber nicht so wichtig wie der eigentliche Krieg.

„Es ist besser, den militärischen Krieg zu gewinnen und den PR-Krieg zu verlieren als umgekehrt“, schreibt Murray.

Irans Feuerring

Laut Murray arbeitete das iranische Regime jahrzehntelang daran, Israel mit bewaffneten Stellvertretern zu umzingeln – der «Ring of Fire«: der Hamas in Gaza, der Hisbollah im Libanon und weiteren Gruppen in Syrien, im Irak und im Jemen. Die Raketenarsenale im Libanon sollten Israel in erster Linie davon abschrecken, Irans Atomprogramm anzugreifen. Dieses Programm sei das Kronjuwel des Regimes gewesen, schreibt Murray, und dessen Verteidiger im Westen hätten jahrelang so getan, als gebe es es gar nicht.

Mit Atomwaffen glaubte das Regime, unantastbar zu werden, sowohl gegenüber der eigenen Bevölkerung als auch gegenüber der Aussenwelt. Durchkreuzt wurde dieser Plan laut Murray durch eine einzige Fehlkalkulation: den Angriff von Hamas-Führer Yahya Sinwar am 7. Oktober 2023.

Glied für Glied

Nach fast drei Jahren Krieg lasse sich nun erkennen, wie gründlich Irans Pläne zerschlagen worden seien, meint Murray. Die Regierung Netanyahu habe die iranische Achse Glied für Glied demontiert.

Zuerst die Hamas. Das geschah trotz anhaltenden Drucks, den Krieg zu beenden, nicht nur aus Europa, sondern auch aus dem Weissen Haus unter Joe Biden. Als Israel in Rafah einmarschierte, das Murray als letzte Hochburg der Hamas bezeichnet, warnten viele vor einem Massaker. Dieses sei ausgeblieben, schreibt Murray. Sinwar wurde im Oktober 2024 in Rafah getötet. Der politische Führer der Hamas, Ismail Haniyeh, war bereits im Juli desselben Jahres in Teheran getötet worden.

Dann die Hisbollah, die schon am 8. Oktober 2023 in den Krieg eingetreten war. Laut Murray wollte der damalige Verteidigungsminister Yoav Gallant sofort gegen die Hisbollah losschlagen, da sie der stärkste Feind war. Netanyahu hingegen zögerte, einen Zweifrontenkrieg zu führen. Seine Linie habe sich ausgezahlt, meint Murray. Im September 2024 folgten die Pager- und Walkie-Talkie-Angriffe, die laut Murray Tausende Hisbollah-Kämpfer töteten oder verstümmelten. Kurz darauf wurden Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und grosse Teile der Führungsspitze bei einem israelischen Angriff getötet. Netanyahu hielt sich zu jenem Zeitpunkt in New York auf, um vor der UNO zu sprechen.

Schliesslich Iran. Israelische Kampfflugzeuge schalteten grosse Teile der iranischen Luftabwehr aus und ebneten im Juni 2025 den Weg für amerikanische B-2-Bomber gegen die wichtigsten Atomanlagen. Iran verfügte jedoch weiterhin über Kapazitäten und verweigerte die Zusammenarbeit, worauf die USA und Israel zurückkehrten. Bei den Angriffen, die am 28. Februar dieses Jahres begannen, wurde laut NPR der Oberste Führer Ali Khamenei getötet.

Heute sei das Regime schwach, schreibt Murray. Die Führung scheue sich, öffentlich aufzutreten, und die Wirtschaft liege nach den Sanktionen von US-Finanzminister Scott Bessent am Boden. Das gesamte Terrornetzwerk, das Iran seit 1979 aufgebaut habe, sei in die Knie gezwungen. Ob der Gnadenstoss von aussen oder von innen komme, bleibe abzuwarten, doch so schwach sei das Regime noch nie gewesen, meint er.

Sinwars Fehlkalkulation

Murray bezeichnet Sinwar als Psychopathen, der den Krieg vermutlich ohnehin begonnen hätte. Der Angriff vom 7. Oktober sei aus seiner Sicht aber einer der grössten militärischen Fehler der Geschichte gewesen. Alle, die in der Befehlskette neben oder über Sinwar standen, sind inzwischen tot. Weder die Hamas noch die Hisbollah noch Iran seien heute noch in der Lage, Israel zu erdrosseln. Vor drei Jahren wäre eine solche Serie von Siegen undenkbar gewesen, heute gehöre sie zu den alltäglichen Meldungen, schreibt Murray. Dass ein grosser Teil der Geiseln am Ende lebend heimkehrte, beschreibt er als Sieg von biblischem Ausmass.

Der Kampf um die Jugend

Nur ein Teil des Krieges sei verloren, so Murray: der Kampf um die öffentliche Meinung, insbesondere unter jungen Menschen. Das sei besorgniserregend, aber nicht überraschend, schreibt er. Murray verweist auf Katar, das er als Regime mit Verbindungen zum Terror bezeichnet. Seiner Ansicht nach hat das Land es äusserst geschickt verstanden, die Weltöffentlichkeit über Al Jazeera und verdecktere Propagandakanäle zu beeinflussen. Bereits ab Oktober 2023 wurde Israel des Völkermords in Gaza beschuldigt; Murray nennt diesen Vorwurf eine Lüge. Grosse Teile der Welt hätten ihn dennoch geglaubt. Schwache Regierungen wie die britische hätten ihn wiederholt, um Teilen der eigenen Wählerschaft zu gefallen, schreibt er.

Das werde in den kommenden Jahren ihr Problem sein, meint Murray. Bis auf Weiteres sei das, was sich am Mittwoch im Luftraum über Saudi-Arabien abspielte, ein Sinnbild für den Krieg seit dem 7. Oktober. Die Israelis hätten erkannt, dass es um ihr Leben ging, selbst eingegriffen und den Ausgang bestimmt. Nun müsse der Rest des Westens entscheiden, ob er dem Beispiel Israels folgen oder den Terror über die Zukunft bestimmen lassen wolle, schliesst er.

Über Douglas Murray

Murray ist ein britischer Journalist und Autor und lebt in New York. Er ist Kolumnist bei The Free Press und schreibt zudem für The Spectator. Er hat acht Bücher verfasst, darunter „On Democracies and Death Cults“ (2025).