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Gaza-Aktivisten treffen auf die arabische Realität

Zehn Gaza-Aktivisten sitzen unter harten Bedingungen in libyscher Haft. (Symbolbild: iStock)
Es ist bemerkenswert still in den deutschsprachigen und europäischen Medien über die zehn Gaza-Aktivisten, die seit Wochen unter schwierigen Bedingungen in Libyen inhaftiert sind. Der Kontrast zur Berichterstattung über die entsprechenden Vorfälle mit israelischer Beteiligung könnte kaum grösser sein.

In den vergangenen Jahren gab es mehrere sogenannte „Gaza-Flottillen“, bei denen Schiffe versuchten, die von Israel und Ägypten verhängte Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Diese Blockade dient dem Ziel, den ungehinderten Zufluss von Waffen an die Terrororganisation Hamas zu verhindern.

Alle diese Versuche endeten damit, dass die Schiffe von israelischen Soldaten gestoppt und die Aktivisten anschliessend in ihre Heimatländer zurückgeschickt wurden.

Als die schwedische Aktivistin Greta Thunberg im Juni 2025 auf einem der Schiffe festgesetzt wurde, sorgte dies weltweit für Schlagzeilen. Mehrere ähnlicher PR-Aktionen erhielten grosse mediale Aufmerksamkeit in Europa und anderen westlichen Ländern, regelmässig begleitet von Unterstellungen israelischer Brutalität.

Nun wurde erneut eine Gruppe von Gaza-Aktivisten festgenommen – allerdings ohne vergleichbares Medienecho. Der entscheidende Unterschied: Die Aktivisten wurden nicht von Israel aufgehalten.

Am 24. Mai dieses Jahres versuchte eine Gruppe internationaler Aktivisten, den Gazastreifen auf dem Landweg zu erreichen. Eine Fahrzeugkolonne sollte dazu Nordafrika durchqueren.

Die Reise endete jedoch lange vor dem geplanten Ziel. An einem Kontrollpunkt nahe Sirte in Libyen wurden zehn Teilnehmer von Truppen festgenommen, die der Libyschen Nationalarmee (LAAF) unter General Khalifa Haftar nahestehen. Die übrigen Teilnehmer mussten das Gebiet unter dem Druck bewaffneter Kräfte verlassen.

Harte Bedingungen in libyscher Haft

Obwohl häufig der Eindruck einer umfassenden arabischen Solidarität mit der palästinensischen Sache vermittelt wird, zeigt der Vorfall in Libyen ein anderes Bild. Die zehn Aktivisten, Staatsbürger westlicher und südamerikanischer Länder, wurden nach Bengasi gebracht und vom ostlibyschen Sicherheitsdienst (ISA) wegen einer „nicht genehmigten Versammlung“ angeklagt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat ihre tiefe Besorgnis über den Gesundheitszustand der Gefangenen geäussert.

Berichten zufolge wurden die Aktivisten zeitweise in Isolation gehalten. Zudem soll es an notwendiger medizinischer Versorgung fehlen. Unter anderem sollen lebenswichtige Diabetesmedikamente zurückgehalten worden sein, was zu akuten gesundheitlichen Problemen geführt habe.

Die letzte Stellungnahme von Amnesty International datiert vom 9. Juni. Seither gibt es keine offiziellen Hinweise darauf, dass die zehn Aktivisten freigelassen worden wären.

Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe hat der Fall in vielen europäischen Medien nur geringe Beachtung gefunden. Auch zahlreiche anti-israelische Gruppierungen, die sich sonst intensiv mit ähnlichen Vorfällen beschäftigen, haben bislang kaum öffentlich Stellung genommen.

Es fällt auf, dass die öffentliche Empörung in Europa oft deutlich geringer ausfällt, wenn problematische Handlungen von arabischen Akteuren ausgehen und sich nicht mit Israel in Verbindung bringen lassen.

Ein fundamentaler Unterschied in der Praxis

Wenn anti-israelische Aktivisten in den vergangenen Jahren versucht haben, die Seeblockade des Gazastreifens mit Schiffen zu durchbrechen, unterschied sich das Vorgehen der israelischen Behörden grundlegend von dem, was nun aus Libyen berichtet wird.

Werden solche Schiffe von der israelischen Marine gestoppt, werden die Aktivisten in einen israelischen Hafen gebracht. Dort erhalten sie routinemässig medizinische Untersuchungen, Verpflegung und Zugang zu notwendigen Medikamenten. Zudem können sie mit den konsularischen Vertretungen ihrer Heimatländer Kontakt aufnehmen.

Im Gegensatz zur Situation in Libyen werden die Beteiligten anschliessend einem zivilrechtlichen Verfahren unterzogen. Nach kurzer Zeit werden sie zum Flughafen Ben Gurion gebracht und mit den nächstmöglichen Flügen ausser Landes befördert.

Der Vergleich verdeutlicht einen wesentlichen Unterschied. Während Aktivisten, die Israels Blockade herausfordern, auf ein transparentes Rechtssystem, medizinische Betreuung und eine rasche Ausweisung treffen, drohen jenen, die in autoritären arabischen Staaten mit den Behörden in Konflikt geraten, langwierige Haftbedingungen mit fragwürdigen humanitären Standards – eine Realität, die in grossen Teilen der europäischen Berichterstattung kaum Beachtung findet.

No jews, no news.

Greta Thunberg und andere Gaza-Aktivisten wurden nach ihrer Festsetzung in Israel mit Linienflügen in ihre Heimatländer zurückgebracht. (Foto: Israelisches Aussenministerium)