✒️ MIFF Leitartikel
Ein israelischer Offizier wurde am Dienstag von Hizbollah-Terroristen erschossen, die aus einer Kirche im libanesischen Dorf Qaouzah das Feuer eröffneten. Der getötete Soldat war der 27-jährige Reserveoffizier Itamar Sapir, stellvertretender Kompaniechef der IDF. Er hinterlässt eine Ehefrau und einen einjährigen Sohn.
Laut israelischen Angaben hatte die israelische Armee die Kirche während ihrer Einsätze im Gebiet bewusst geschont. Der israelische Generalstabschef soll den Ort persönlich besucht haben, und das Gelände rund um die Kirche war eigens abgesichert worden, um das christliche Heiligtum zu schützen. Die Hizbollah machte genau diesen Ort anschliessend zu einer militärischen Stellung und nutzte die Kirche als Deckung für einen Angriff auf israelische Soldaten.
Die moralische Asymmetrie
Wenn ein israelischer Soldat ein christliches Symbol beschädigt oder sich respektlos gegenüber einem Heiligtum verhält, löst das zu Recht Empörung aus – in Israel ebenso wie im Westen. Erst kürzlich sorgte die Zerstörung einer Jesus-Statue im Südlibanon für scharfe Reaktionen.
Israels Aussenminister Gideon Sa’ar bezeichnete den Vorfall als «ernst und beschämend» und lobte zugleich die schnelle Reaktion der israelischen Armee gegen die Verantwortlichen.
So sollte es auch sein. Christliche Symbole verdienen Schutz und Respekt.
MIFF berichtete kürzlich über einen Überfall auf eine Nonne in Jerusalem durch einen religiösen Juden.
Ja, die Hetze, Häme und sogar Gewalt gegen Christen, die von einzelnen haredischen Kreisen ausgehen, sind zutiefst beschämend und berechtigterweise empörend – darin ist sich auch die grosse Mehrheit der Israelis einig.
Doch weshalb bleibt dieselbe Empörung aus, wenn islamistische Terrorgruppen noch weit schwerwiegendere Entweihungen begehen?
Wo bleiben die grossen Schlagzeilen darüber, dass die Hizbollah eine Kirche als Scharfschützenstellung missbrauchte? Wo sind die Leitartikel über die wiederholte Militarisierung christlicher Heiligtümer? Wo sind die Stellungnahmen westlicher Kirchenvertreter, NGOs und Menschenrechtsorganisationen?
Hätte die israelische Armee bei dem Schusswechsel die Kirche beschädigt, wären Bilder zerstörter Mauern vermutlich innert Stunden um die Welt gegangen. Die internationalen Medien hätten Israel schwere Vorwürfe gemacht. Doch wenn die Hizbollah selbst eine Kirche in eine militärische Stellung verwandelt, herrscht auffällige Stille.
Die Doppelmoral ist unerträglich
Seit Jahrzehnten werden Christen im Nahen Osten von islamistischen Bewegungen und autoritären Regimen verdrängt, bedroht oder verfolgt. In Ländern wie Irak, Syrien oder Gaza sind christliche Gemeinschaften massiv geschrumpft oder nahezu verschwunden.
Israel ist der einzige Staat im Nahen Osten, in dem die christliche Bevölkerung wächst und Christen volle Bürgerrechte geniessen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Israel frei von Fehlverhalten wäre. Doch der Unterschied zwischen einem demokratischen Staat, der Übergriffe verfolgt und bestraft, und Terrororganisationen, die Heiligtümer gezielt als Waffen missbrauchen, könnte deutlicher kaum sein.
Der Missbrauch religiöser Stätten gehört längst zur Strategie islamistischer Terrorgruppen. Moscheen, Schulen, Krankenhäuser und Kirchen werden immer wieder als Waffenlager, Kommandozentren oder Abschussrampen benutzt. Erst kürzlich wurde in einer Kirche im Südlibanon ein Zugang zu einem Hizbollah-Tunnel entdeckt. Das Kalkül dahinter ist offensichtlich: Reagiert Israel militärisch, folgen internationale Schlagzeilen über angebliche Angriffe auf zivile oder religiöse Einrichtungen. Reagiert Israel zurückhaltend, verschaffen sich die Terroristen taktische Vorteile.
Warum wird diese zynische Strategie im Westen weitgehend ausgeblendet?
Itamar Sapir starb, weil Israel versuchte, ein christliches Heiligtum zu schützen, während die Hizbollah genau diesen Respekt ausnutzte. Eigentlich müsste dieser Vorfall eine breite internationale Debatte auslösen. Stattdessen bleibt die Reaktion bemerkenswert verhalten.
Über den Autor:
Dr. philos. Jens Tomas Anfindsen unterrichtet seit vielen Jahren in den Bereichen Religion, Philosophie und Ethik. Er ist Leiter von MIFF DACH und Redakteur von Israelfrieden.org.


