Ein 35-jähriger Mann ist am Mittwoch im drusischen Dorf Ein al-Asad im Norden Israels erschossen worden, teilte die israelische Polizei mit. Der Mann wurde in einem Auto mit Schussverletzungen aufgefunden und noch am Tatort für tot erklärt. Die Polizei gab an, dass der Mordfall untersucht werde.
Die Bewohner von Ein al-Asad beschreiben das Opfer als eine beliebte Person.
„Er war ein guter Mensch und mit allen befreundet. Er hatte mit niemandem Konflikte. Alle mochten ihn. Es ist schwer zu verstehen, wer ihm schaden wollte. Wir stehen alle unter Schock“, sagte ein Einwohner des Dorfes.
Ein anderer erklärte, der Getötete sei „ein ernsthafter und ehrlicher Mann gewesen, der sich für das Dorf eingesetzt hat“, und er sei „in keiner Weise in kriminelle Aktivitäten verwickelt gewesen“.
Die Tat vom Mittwoch war die 100. Tötung seit Jahresbeginn, nahezu eine pro Tag. Noch nie zuvor wurden so viele Tötungen registriert. Damit wird auch der Rekord vom vergangenen Jahr übertroffen. Zu diesem Zeitpunkt waren in Israel 93 Tötungen verzeichnet worden, berichtete die Zeitung Haaretz.
Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Jahres 2022 wurden landesweit 32 Tötungen registriert. Seither ist die Zahl deutlich gestiegen.
Laut Haaretz haben sich 88 der Tötungen in diesem Jahr im arabischen Sektor Israels ereignet, der in den vergangenen Jahren von einer Welle tödlicher Gewalt erschüttert worden ist. Zehn der Opfer sind Frauen.
Dabei machen Araber lediglich rund 20 Prozent der Bevölkerung Israels aus.
Bereits Anfang der Woche kam es innerhalb von 24 Stunden zu vier Tötungen in drei getrennten Vorfällen.
In der nordisraelischen Stadt Yarka wurden das verlobte Paar Sewar Abbas (21) und Aadi Sha’aban (30) erschossen. Als Motiv wird Kriminalität vermutet.
Zuvor war der 40-jährige Ahmed Issa erschossen worden. Die Polizei erklärte, die Tat stehe im Zusammenhang mit einer andauernden „Blutfehde“.
In einem weiteren Fall wurde die 27-jährige Sabreen al-Ataika erschossen. Die Polizei vermutet, dass ihr Bruder der Täter war und ein familiärer Konflikt das Motiv darstellte.
Zahlen der Polizei und von Haaretz zufolge bleiben viele Tötungsdelikte ungeklärt. In diesem Jahr wurden bislang nur sechs Prozent der Fälle aufgeklärt. Im Jahr 2025 lag die gesamte Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten lediglich bei 27 Prozent.
Bei Fällen innerhalb der arabischen Gemeinschaft lag die Aufklärungsquote sogar nur bei 18 Prozent. Mehr als vier von fünf Tötungsdelikten bleiben ungeklärt.
Eine geografische Aufschlüsselung zeigt, dass die meisten Tötungen im Norden Israels verübt werden, wo ein grosser Anteil der Bevölkerung arabisch ist und viele Beduinen leben.
In diesem Bezirk wurden in diesem Jahr bislang 32 Tötungen registriert. Im Bezirk Haifa, wo ebenfalls viele arabische Israelis leben, wurden bisher 27 Tötungen verzeichnet.
Im südlichen Bezirk, in dem viele Beduinen leben, wurden 20 Tötungen registriert, während es im Zentrum Israels 11 waren, sieben in Tel Aviv und drei in Jerusalem.
Im vergangenen Jahr ereignete sich in der arabischen Gemeinschaft Israels alle 36 Stunden eine Tötung. Analysten und gesellschaftliche Führungspersonen nennen organisierte Kriminalität, familiäre Konflikte und anhaltende Fehden zwischen Clans als wichtigste Ursachen der Gewaltwelle.


