Erstes öffentliches Eingeständnis einer humanitären Organisation, dass Krankenhäuser im Gazastreifen von Terrororganisationen missbraucht werden.
Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat sämtliche nicht-lebensnotwendigen Tätigkeiten im Nasser-Krankenhaus im Gazastreifen eingestellt, nachdem die Organisation eine wachsende Zahl von Beobachtungen „bewaffneter Männer“ registriert hatte. Nach Angaben von MSF stellen diese eine ernsthafte Gefahr für Personal und Patienten dar.
„Unser Team hat ein Muster inakzeptabler Vorfälle gemeldet, darunter die Anwesenheit bewaffneter Männer, Drohungen, willkürliche Festnahmen von Patienten sowie eine jüngste Situation, in der der Verdacht auf Waffentransporte bestand“, schreibt die Organisation.
Vermutlich ist dies das erste Mal, dass eine internationale humanitäre Organisation öffentlich berichtet, dass sich bewaffnete Männer in Krankenhäusern im Gazastreifen aufhalten und dass medizinische Einrichtungen für den Transport von Waffen genutzt werden. MSF hatte seine Mitarbeiter bereits im Januar aus dem Krankenhaus abgezogen; der Vorgang wurde jedoch erst jetzt öffentlich bekannt.
Israel hat palästinensische Terrorgruppen wiederholt beschuldigt, Krankenhäuser im Gazastreifen aufgrund ihres geschützten Status als militärische Stützpunkte zu missbrauchen. Auch ehemalige israelische Geiseln berichteten, sie seien im Nasser-Krankenhaus festgehalten worden.
In einer Stellungnahme weist das Nasser-Krankenhaus die Vorwürfe zurück, kritisiert MSF und erklärt, bei den bewaffneten Männern handle es sich um „eine zivile Polizeitruppe zum Schutz von Patienten und Personal“.
Die israelischen Streitkräfte (IDF) wiederum erklären, über nachrichtendienstliche Erkenntnisse zu verfügen, die belegten, dass die Hamas das Nasser-Krankenhaus als Hauptquartier für ranghohe Terroristen genutzt habe.
„Seit über zwei Jahren warnen die IDF und die israelischen Sicherheitsbehörden vor der zynischen Nutzung von Krankenhäusern und humanitären Zufluchtsorten durch Terroristen als menschliche Schutzschilde zur Verschleierung ihrer Aktivitäten“, heisst es in einer Stellungnahme der IDF.
Weiter erklären die israelischen Streitkräfte, Ärzte ohne Grenzen reagiere zu spät: „Es ist eine wichtige Entscheidung, dass darüber berichtet wird, doch sie kommt verspätet. Dies zeigt einmal mehr, warum die Hamas entwaffnet werden muss.“
Im Februar 2024 wurden im Umfeld des Nasser-Krankenhauses mehr als 100 Terrorverdächtige festgenommen. Im April 2025 erhielt die Pflegeleiterin des Krankenhauses Drohungen, nachdem sie öffentlich dazu aufgerufen hatte, Terroristen sollten aufhören, die Einrichtung zu missbrauchen.


