Die Ergebnisse stellen die Behauptung infrage, Israel würde gezielt Journalisten angreifen.
Eine Studie, die am 11. Dezember vom Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center veröffentlicht wurde, zeigt, dass über 60 % der während des Gaza-Krieges getöteten Journalisten Mitglieder palästinensischer Terrororganisationen waren oder diesen nahestanden, berichtet die Jerusalem Post. Betroffen waren vor allem Angehörige oder Unterstützer von Hamas und Islamischem Dschihad.
In den vergangenen zwei Kriegsjahren wurde häufig behauptet, eine beispiellose Rekordzahl an Journalisten sei auf Gaza getötet worden. Die neue Untersuchung legt nun nahe, dass viele der als „Journalisten“ geführten Personen in Wirklichkeit Terroristen waren. Untersucht wurden 266 deklarierten Journalisten und Medienmitarbeitende, deren Tod zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 30. November 2025 gemeldet wurde.
Von ihnen sollen 157 – etwas mehr als 60 % – entweder Mitglieder von Terrororganisationen gewesen sein oder für Medien gearbeitet haben, die solchen Gruppen nahestanden.
Mindestens 47 der Getöteten gehörten dem militärischen Flügel der Hamas an. Weitere 45 waren dem Islamischen Dschihad zugeordnet, darunter 18 bestätigte operative Mitglieder.
„Das Narrativ über getötete Journalisten ähnelt der Darstellung der Gesamtzahlen der Toten in Gaza. Sobald man die Fakten und Daten prüft, ergibt sich ein anderes Bild. Dass rund 60 % der Getöteten Terrororganisationen zugeordnet werden können, ist eine sehr hohe Quote“, sagt Shlomo Mofaz, Leiter des Forschungszentrums.
Die Studie dokumentiert zudem einen weitverbreiteten Gebrauch „doppelter Identitäten“, bei denen Personen gleichzeitig als Journalisten und bewaffnete Akteure fungierten. Hervorgehoben wird auch eine systematische Koordinierung zwischen Hamas und dem in Katar ansässigen Sender Al Jazeera.
Beschlagnahmte Dokumente aus dem Gazastreifen belegen eine organisierte Zusammenarbeit zwischen Hamas und Al Jazeera, darunter Anweisungen zur Berichterstattung über bestimmte Ereignisse sowie eine direkte Kommunikationslinie.
Mehrere Al-Jazeera-Korrespondenten in Gaza, darunter Anas al-Sharif, wurden dem militärischen Flügel der Hamas zugeordnet.
Die Untersuchung stützt sich auf arabischsprachige Quellen, beschlagnahmte Unterlagen und soziale Medienprofile. Eine beschlagnahmte Liste zeigt, dass acht zunächst als „unidentifizierte Journalisten“ gemeldete Personen in Wahrheit Hamas-Mitglieder waren.
Oberst Maurice Hirsch (a. D.), Leiter des Initiative for Palestinian Authority Accountability and Reform am Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs, weist darauf hin, dass Journalisten im Krieg kein besonderes Schutzprivileg besitzen.
„Journalisten haben keine spezielle Immunität, sie gelten grundsätzlich als Zivilisten und Nicht-Kombattanten. Wer nicht an den Kämpfen teilnimmt, darf nach dem Völkerrecht nicht angegriffen werden“, erklärt Hirsch. „Sobald jedoch eine Person auf irgendeine Weise an Kampfhandlungen teilnimmt – selbst wenn es sich lediglich um das Sammeln von Informationen handelt, teils unter dem Deckmantel journalistischer Tätigkeit –, wird sie zu einem legitimen Ziel.“ Hirsch war an der Studie nicht beteiligt.
Die Autoren der Studie kommen zum Schluss, dass Hamas und andere Terrororganisationen ihre operativen Kräfte bewusst hinter einer journalistischen Fassade verbergen. Die Doppelrollen untergrüben das Vertrauen in Medienpersonal und schwächten die Glaubwürdigkeit ihrer Berichterstattung. Zudem steige dadurch die Gefahr für tatsächliche Journalisten, die keine Verbindung zu bewaffneten Gruppen haben.
Obwohl auch mehrere Dutzend Journalisten ohne nachgewiesene Verbindung zu Terrororganisationen ums Leben kamen, weist Israel den Vorwurf gezielter Angriffe zurück. Man spreche von tragischen, aber unbeabsichtigten Todesfällen im Kontext eines sehr komplexen Krieges. Im August dieses Jahres wurden bei einem Angriff in der Umgebung des Nasser-Spitals in Khan Younis mehrere Journalisten und Zivilisten getötet. Israel bedauerte diesen Vorfall und räumte einen schweren Fehler ein.
🟦 MIFF kommentiert
Die MIFF-Redaktion möchte dem obenstehenden Bericht eine Evidenz-Überlegung hinzufügen.
Natürlich sollten Angaben aus „von der IDF beschlagnahmten und deklassifizierten Listen» aus Gaza grundsätzlich geprüft und nicht unbesehen übernommen werden. Die IDF ist Partei in diesem Konflikt, und jede Konfliktpartei kann potenziell unzutreffende oder unvollständige Informationen verbreiten.
Gleichzeitig existiert jedoch eine breite und unabhängige Evidenz aus frei zugänglichen „Open Source“-Quellen, insbesondere aus sozialen Medien, die zeigt, dass zahlreiche sogenannte Medienschaffende in Gaza unbestreitbare Verbindungen zu Terrororganisationen hatten. Besonders eindeutig sind die Fälle, in denen Hamas oder der Islamische Dschihad die getöteten „Journalisten“ öffentlich als eigene Märtyrer ehren. Dutzende solcher Beispiele sind auf der Webseite Mediawatch-legal dokumentiert.
Es ist selbstverständlich ernst zu nehmen und sorgfältig zu untersuchen, wenn Journalisten in bewaffneten Konflikten ums Leben kommen. Gerade deshalb ist es aber auch stark kritikwürdig, dass grosse Teile der westlichen Öffentlichkeit die deutlichen Hinweise auf illegitime Doppelfunktionen vieler der getöteten angeblichen Journalisten auf Gaza kaum zur Kenntnis nehmen.
Dieses Wegsehen stellt ein moralisches wie auch ein journalistisches Versäumnis unserer Massenmedien dar.
Über den Autor:
Dr. philos. Jens Tomas Anfindsen unterrichtet seit vielen Jahren in den Bereichen Religion, Philosophie und Ethik. Er ist Leiter von MIFF DACH und Redakteur von Israelfrieden.org.



