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Mehrheit im EU-Parlament will engere Verteidigungskooperation mit Israel

Illustrationsbild

57 Prozent der europäischen Parlamentarier sprechen sich für eine engere Verteidigungszusammenarbeit mit Israel aus. Die Unterstützung für Israel und die Sorge über den wachsenden Antisemitismus nehmen in mehreren Bereichen deutlich zu. Israel wird zunehmend durch das Prisma der europäischen Sicherheitsinteressen betrachtet.

In den vergangenen vier Jahren hat das European Leadership Network (ELNET) eine umfassende Meinungsumfrage unter europäischen Parlamentariern durchgeführt. In den letzten drei Jahren war MIFF Kooperationspartner der Studie in den Parlamenten Norwegens, Schwedens und Dänemarks.

Nun liegt der Bericht für 2025 vor – und er zeigt eine klare Entwicklung in den Einstellungen führender europäischer Politiker in den letzten vier Jahren.

Zwar ist der Anteil derjenigen gestiegen, die das Verhältnis ihres Landes zu Israel als schlecht oder sehr schlecht bewerten, während der Anteil derjenigen, die es als gut einschätzen, zurückgegangen ist. Gleichzeitig bleibt die Bereitschaft zur Zusammenarbeit insgesamt hoch: 68 Prozent der Befragten geben 2025 an, eine intensivere Zusammenarbeit mit Israel zu wünschen – ein Rückgang gegenüber 81 Prozent im Jahr 2022.

Besonders deutlich ist jedoch der Wandel im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik: Während 2022 nur 24 Prozent eine engere Verteidigungszusammenarbeit mit Israel befürworteten, ist dieser Wert 2025 auf 57 Prozent gestiegen. Parallel dazu hat sich auch die Wahrnehmung der Bedrohungslage verändert: Iran wird inzwischen als zweitgrösste Bedrohung für die europäische Sicherheit eingestuft – direkt nach Russland.

Auch beim Thema Antisemitismus zeigen sich klare und besorgniserregende Trends. Israelbezogener Antisemitismus wird inzwischen von 75 Prozent der Befragten als ernstes Problem angesehen, gegenüber 57 Prozent im Jahr 2024. Auffällig ist zudem eine Verschiebung in der Einschätzung der Ursachen: Während die Sorge über rechtsextremen und alltäglichen Antisemitismus etwas abgenommen hat, wird Antisemitismus aus islamistischen Kreisen und aus dem politischen linken Spektrum nun deutlich häufiger als zentrale Bedrohung identifiziert.

68 Prozent der Befragten unterstützen inzwischen die Auflösung des UNRWA und die Übertragung seiner Aufgaben auf andere Organisationen. Auch die Unterstützung für regionale Partnerschaften wächst: 86 Prozent befürworten eine stärkere Rolle arabischer Staaten bei der Förderung von Friedensbemühungen, und 74 Prozent sprechen sich für eine engere Einbindung Israels in die NATO aus.

Carsten Ovens, Geschäftsführer des European Leadership Network (ELNET) in Berlin, kommentiert die Ergebnisse wie folgt:

Diese langfristige Analyse der Israel-Umfrage zeigt einen bemerkenswerten Wandel: Europäische Parlamentarier betrachten Israel nicht länger in erster Linie durch die Linse der Geschichte, sondern zunehmend durch das Prisma gemeinsamer Sicherheitsinteressen – und als unverzichtbaren Partner in Europas eigener Sicherheitsarchitektur. Dies sollte sich deutlich stärker in der zukünftigen europäischen Politik widerspiegeln.

Das European Leadership Network (ELNET) engagiert sich seit 2007 für die Förderung starker und nachhaltiger europäisch-israelischer Beziehungen. Als unabhängiger Thinktank konzentriert sich die Organisation auf Aussen- und Sicherheitspolitik sowie auf die Bekämpfung des Antisemitismus.

🟦 MIFF kommentiert

Die ELNET-Umfrage macht ein Paradox sichtbar: In Europas politischen Entscheidungszentren wächst das Verständnis für Israel als sicherheitspolitischen Partner – und zwar signifikant. Nach aussen tritt die EU jedoch weiterhin vor allem als Kritikerin Israels auf und verurteilt regelmässig dessen Verteidigungsmassnahmen.

Dieses Auseinanderklaffen zwischen der Haltung einer klaren Mehrheit der Parlamentarier und dem institutionellen Kurs der EU wirkt widersprüchlich – und ist es auch. Wenn Israel intern immer stärker als Teil der europäischen Sicherheitsarchitektur gedacht wird und zugleich als wichtiger Waffenlieferant und Geheimdienstpartner für Europa fungiert, nach aussen aber politisch auf Distanz gehalten wird, stellt sich eine Frage der strategischen und moralischen Glaubwürdigkeit.

Wieder fehlt es Europa an Orientierung.