Die amerikanisch-israelische Kampagne gegen das Mullahregime im Iran hat begonnen. MIFF verfügt nicht über die Kapazität, laufend aktuelle Kriegsereignisse zu berichten. Das leisten viele Medienhäuser deutlich umfassender als wir. Für laufende Updates empfehlen wir den Telegram Kanal von Amir Tsarfati sowie die vom Middle East Forum betriebene Seite IranWarMonitor.com.
Nach den ersten Stunden zeichnet sich folgendes Lagebild ab: Iran steht vor einer Krise auf Regimeebene. Seine Luftverteidigung erwies sich über Teheran faktisch als nicht existent. Israelische Medien stellten mit Erstaunen fest, dass der Himmel über der Hauptstadt nicht verteidigt wurde. Die aus Russland und China beschafften Verteidigungssysteme zeigten keine erkennbare Wirkung. Die Kommandoinfrastruktur ist zerschlagen. Kommunikationswege sind unterbrochen. Mehrere Führungsfiguren sind vermutlich tot. Die Vergeltungsschläge der Revolutionsgarden sind aber real. Raketen erreichten israelisches Territorium, trafen US-Basen in Bahrain und Katar und lösten Alarmmeldungen rund um den Golf aus. Doch der erste Schlagabtausch deutet auf eine grundlegende Fähigkeitsasymmetrie hin, die Teheran nicht ausgleichen kann.
Nachfolgend erscheint in deutscher Übersetzung ein Artikel von Gregg Roman, der das erste Lagebild umfassend einordnet.
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Die Nacht, in der die Achse zerbrach:
Die ersten Stunden der amerikanisch-israelischen Kampagne gegen den Iran
Von Gregg Roman, Direktor vom Middle East Forum
Um 8.14 Uhr Ortszeit in Israel, 9.44 Uhr in Teheran, heulten im ganzen Staat Israel die Sirenen des Raketenalarms. Sekunden später vibrierten Mobiltelefone mit einer Anweisung des Heimatschutzkommandos: In der Nähe geschützter Räume bleiben. Innerhalb weniger Minuten unterzeichnete Israels Verteidigungsminister Israel Katz auf Grundlage des Zivilschutzgesetzes eine besondere Notverordnung und verhängte landesweit den Ausnahmezustand. Der Grund war eindeutig. Israel und die Vereinigten Staaten hatten soeben eine präventive Militärkampagne gegen die Islamische Republik Iran begonnen.
Die Operation, von den Israelischen Verteidigungsstreitkräften und Premierminister Netanjahu als „Sha’agat HaAri“ bezeichnet, auf Deutsch „Brüllen des Löwen“, in frühen hebräischsprachigen Berichten auch als „Magen Jehuda“, „Schild Judas“, geführt, stellt die bedeutendste amerikanische Militäroperation im Nahen Osten seit dem Irakkrieg 2003 dar und zugleich die folgenreichste israelische Militäraktion seit der Staatsgründung. Es handelt sich nicht um einen begrenzten Schlag. Es ist keine symbolische Demonstration. Ein US Regierungsvertreter erklärte gegenüber Reuters, die Administration plane eine mehrtägige Operation. Eine in die Planungen eingeweihte Person sagte gegenüber NPR, Israels militärischer Schwerpunkt liege auf dem iranischen Raketenprogramm, während umfassendere Angriffe auf die Kommandoinfrastruktur des Regimes in Koordination mit amerikanischen Streitkräften erfolgten.
Die Ereignisse der ersten drei Stunden sprechen für sich.
Der Eröffnungsschlag
Israelische Kampfflugzeuge griffen in enger Abstimmung mit amerikanischen Militärressourcen in rascher Folge Dutzende Ziele im gesamten Iran an. Die erste Angriffswelle traf das politische und sicherheitspolitische Machtzentrum Teherans. Zu den bestätigten Zielen gehörten der Bürokomplex des Obersten Führers Ali Chamenei, das iranische Geheimdienstministerium, das Verteidigungsministerium, die Zentrale der Atomenergieorganisation sowie die Präsidialinstitution nahe dem Pasteur Platz. Sieben Raketen trafen das Viertel mit Chameneis Residenz, dem Präsidentenpalast und dem Nationalen Sicherheitsrat.
Die Angriffe waren präzise, koordiniert und verheerend. Berichte aus Teheran sprachen von mindestens dreissig Explosionen in der Hauptstadt. Israelische Quellen meldeten mehr als dreissig getroffene Ziele, darunter das Geheimdienstministerium, das Verteidigungsministerium und die Präsidentenresidenz. Die regimenahe Nachrichtenagentur Fars bestätigte Explosionen im Stadtzentrum und Rauch über mehreren Bezirken. Beobachter berichteten von zerborstenen Fenstern entlang der Vesal Strasse und an der Enghelab Kreuzung. Geländer des Bus Rapid Transit Systems wurden aus dem Boden gerissen. Mauern barsten unter dem Druck der Explosionen. Feuerwehrfahrzeuge fuhren vom Enghelab Platz Richtung Jomhouri Gebiet. Das Sina Krankenhaus ordnete eine vollständige Evakuierung an.
Enthauptung
Die Zielauswahl der Kampagne offenbart eine strategische Absicht, die weit über Nichtverbreitungspolitik hinausgeht. Es handelte sich um einen Enthauptungsschlag gegen die Führungsarchitektur der Islamischen Republik.
Washingtoner Quellen von Al Jazeera berichteten, die amerikanische Beteiligung ziele auf die „Enthauptung des iranischen Regimes“, wobei sich die Angriffe auf Gebiete konzentrierten, in denen sich Chamenei möglicherweise aufhalte. Reuters meldete, Chamenei habe sich zum Zeitpunkt der Angriffe nicht in Teheran befunden und sei an einen sicheren Ort gebracht worden. Die israelische Zeitung Jediot Aharonot berichtete, jede auf Iran abgefeuerte Rakete habe eine konkrete Adresse gehabt, und eine grosse Zahl militärischer Kommandeure sowie Regierungsvertreter sei persönlich ins Visier genommen worden.
Unbestätigte Berichte verbreiteten sich rasch. Quellen in hebräischsprachigen Telegram Kanälen meldeten die bestätigte Tötung von Mohseni Edschei, dem Chef der iranischen Justiz. Nicht verifizierte Angaben sprachen von einem Attentatsversuch auf Chamenei selbst, einem möglichen Angriff auf Verteidigungsminister Amir Hatami sowie von der Tötung des Kommandeurs der iranischen Armee. Hochrangige israelische Vertreter erklärten gegenüber Kanal 12, es gebe „Hinweise auf Treffer bei bedeutenden Persönlichkeiten der iranischen Führung“.
Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur ISNA veröffentlichte eine bemerkenswerte Erklärung: Die Intensität und das Ausmass der ersten Angriffe, insbesondere an sensiblen Punkten, hätten zur Tötung und Zerstörung einer „erheblichen Zahl von Angehörigen der Revolutionsgarden“ geführt, von denen viele „wichtige operative und spezialisierte Funktionen“ innehatten. Dass eine regimenahe Agentur solche Verluste in Echtzeit einräumt, deutet auf katastrophale Schäden hin.
Gleichzeitig legten Cyberoperationen die iranische Kommunikation lahm. Die Nachrichtenagentur IRNA wurde gehackt. Festnetzverbindungen brachen in ganz Teheran zusammen. Die Internetverbindung kollabierte laut der Monitoring Gruppe Netblocks nahezu vollständig. Auch die staatliche Rundfunkorganisation soll angegriffen worden sein. Die App BadSaba wurde kompromittiert. Die Fähigkeit des Regimes, eine koordinierte Reaktion zu organisieren, wurde systematisch geschwächt.
Die iranische Reaktion
Iran blieb nicht passiv, auch wenn seine Reaktion nahezu zwei Stunden auf sich warten liess. Die IDF hatte in ihrer ersten Warnmeldung betont, die Sirenen um 8.14 Uhr seien vorsorglich gewesen: „Derzeit besteht keine Notwendigkeit, sich in geschützten Räumen aufzuhalten.“ Das änderte sich kurz nach 10 Uhr israelischer Zeit, als die IDF Raketenstarts aus Iran in Richtung israelisches Territorium identifizierte. Die Revolutionsgarden kündigten den Beginn der „Operation Wahres Versprechen 4“ an, die erste grossangelegte Welle von Vergeltungsangriffen mit Raketen und Drohnen gegen Israel und amerikanische Stellungen in der Region.
Ballistische Raketen richteten sich gegen israelisches Gebiet. Im ganzen Land heulten die Sirenen, von den Golanhöhen und Galiläa im Norden über den Grossraum Tel Aviv, die Scharon Ebene, die Schefela bis nach Jerusalem sowie in Ortschaften in Judäa und Samaria. Nahezu jedes Bevölkerungszentrum war von Alarmmeldungen betroffen. Israels mehrschichtiges Luftverteidigungssystem, Arrow, David’s Sling und Iron Dome, war ununterbrochen im Einsatz, wobei das Bedrohungsvolumen erheblich war. Die Polizei meldete herabfallende Trümmerteile in mehreren Regionen. In Tirat HaCarmel wurde ein Einschlag bestätigt, Rettungsteams des Magen David Adom wurden entsandt.
Gleichzeitig griff Iran amerikanische Stellungen am Persischen Golf an. Die Revolutionsgarden erklärten, vier US Einrichtungen seien attackiert worden: die Luftwaffenbasis Al Udeid in Katar, die Luftwaffenbasis Al Salem in Kuwait, die Luftwaffenbasis Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie das Hauptquartier der 5. US Flotte in Bahrain. Eine iranische Rakete traf eine US Basis in Bahrain. Explosionen erschütterten Abu Dhabi, Rauch war über der Hauptstadt der Emirate sichtbar. Das Innenministerium Bahrains forderte die Bevölkerung auf, Schutz zu suchen. Katars Verteidigungsministerium bestätigte, ein iranisches Geschoss mit einem Patriot System abgefangen zu haben. Explosionen wurden aus Doha, aus Saudi Arabien, aus Jordanien und aus Kuwait gemeldet, wo landesweit Alarm ausgelöst wurde. Das iranische Staatsfernsehen erklärte, die Streitkräfte des Landes griffen amerikanische Basen in der gesamten Region an.
Die politische Dimension
Die politische Botschaft aus Washington und Jerusalem war synchronisiert und unmissverständlich.
Präsident Trump veröffentlichte auf Truth Social ein Video, in dem er den Beginn „grosser Kampfoperationen“ im Iran erklärte. Er wandte sich direkt an das iranische Volk: „Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen.“ Er forderte die Menschen auf, Schutz zu suchen, warnte, dass Bomben überall fallen würden, und rief sie auf, nach Abschluss der Angriffe „eure Regierung zu übernehmen“. Den Kräften der Revolutionsgarden drohte er mit „sicherem Tod“, sollten sie ihre Waffen nicht niederlegen, und versprach faire Behandlung und Immunität für jene, die sich ergeben.
Premierminister Netanjahu bezeichnete die Operation als gemeinsame Anstrengung, um „die existentielle Bedrohung durch das terroristische Regime im Iran zu beseitigen“. Er rief „alle Teile des iranischen Volkes, Perser, Kurden, Aseris, Belutschen und Ahwazis“, auf, „das Joch der Tyrannei abzuwerfen“. Präsident Herzog segnete die Operation und äusserte die Hoffnung auf einen „historischen Wandel“.
Prinz Reza Pahlavi veröffentlichte eine Videobotschaft, in der er die Angriffe als „humanitäre Intervention“ bezeichnete, die sich gegen die „Maschine der Unterdrückung und des Tötens“ der Islamischen Republik richte. Er forderte die Iraner auf, zu Hause zu bleiben und wachsam zu sein, und kündigte an, den Zeitpunkt bekanntzugeben, zu dem sie wieder auf die Strasse gehen sollten. „Der endgültige Sieg wird dennoch von uns bestimmt“, sagte er.
Die iranische Strasse
Die möglicherweise folgenreichste Variable dieser Kampagne ist nicht das militärische Gleichgewicht, sondern das iranische Volk.
Zahlreiche Videos auf Telegram und bei Iran International zeigten iranische Bürger, die die Angriffe offen bejubelten. Frauen riefen aus Wohnungsfenstern „Tod Chamenei“. Schülerinnen in einer Mädchenschule skandierten „Lang lebe der Schah“. Ein Bürger filmte Rauch, der aus dem Gebiet um Chameneis Anwesen aufstieg, und erklärte: „Sie haben gerade das Haus getroffen.“ Eine Frau rauchte Wasserpfeife und jubelte bei Explosionen. Eine andere filmte sich selbst mit den Worten an das Regime: „Ihr habt euch den Mund verbrannt. Geniesst es.“
Dies sind keine Einzelfälle. Fast zwei Monate landesweiter Proteste, die grössten seit 1979 und auf über hundert Städte ausgeweitet, gingen der Operation voraus. Die Reaktion des Regimes war brutale Gewalt. Trump sprach von schätzungsweise 32 000 getöteten Demonstranten, eine Zahl, die in etwa mit Einschätzungen aus Kreisen des iranischen Gesundheitsministeriums übereinstimmt. Die Proteste waren getrieben vom wirtschaftlichen Zusammenbruch, vom Verfall des Rial und von jahrzehntelang aufgestautem Zorn gegen die theokratische Herrschaft.
Die entscheidende Frage der kommenden Tage lautet: Ergreift die iranische Bevölkerung diesen Moment? Während des zwölf Tage Krieges im Juni 2025 hielt sich das iranische Stellvertreternetzwerk weitgehend zurück und liess Teheran isoliert. Die Bevölkerung erhob sich nicht. Diesmal schaffen das Ausmass der Zerstörung der Regimeinfrastruktur, die expliziten Aufrufe zum Aufstand aus Washington, Jerusalem und vom Pahlavi Lager sowie die Tiefe des Volkszorns grundlegend andere Voraussetzungen.
Was als Nächstes folgt
Israel hat zusätzlich zu den bereits einberufenen 50 000 weitere 70 000 Reservisten mobilisiert. Im ganzen Land wurde der Status von voller Aktivität auf ausschliesslich essenzielle Tätigkeiten herabgesetzt. Schulen wurden geschlossen, Arbeitsplätze mit Ausnahme lebenswichtiger Dienste stillgelegt. Der israelische Luftraum ist gesperrt. Der Generalstabschef, Generalleutnant Eyal Zamir, trat mit den obersten Kommandeuren zu einer Lagebeurteilung zusammen. Die Streitkräfte befinden sich in „vorgeschobener Verteidigungs und Angriffsbereitschaft an allen Fronten und gegenüber jedem Gegner“.
Die IDF erklärte unmissverständlich: „Die Operation wird so lange fortgesetzt, wie es erforderlich ist.“
Iran steht vor einer Krise auf Regimeebene. Seine Luftverteidigung erwies sich über Teheran faktisch als nicht existent. Israelische Medien stellten mit Erstaunen fest, dass der Himmel über der Hauptstadt nicht verteidigt wurde. Die aus Russland und China beschafften Verteidigungssysteme zeigten keine erkennbare Wirkung. Die Kommandoinfrastruktur ist zerschlagen. Kommunikationswege sind unterbrochen. Führungsfiguren könnten tot sein. Die Vergeltungsschläge der Revolutionsgarden waren real, Raketen erreichten israelisches Territorium, trafen eine US Basis in Bahrain und lösten Alarm am gesamten Golf aus. Doch der erste Schlagabtausch deutet auf eine grundlegende Asymmetrie der Fähigkeiten hin, die Teheran allein durch Feuerkraft nicht ausgleichen kann.
Die schiitische Achse, Iran, Hisbollah, die Huthis und irakische Milizen, sieht sich einem gleichzeitigen Mehrfrontenangriff auf das Zentrum gegenüber, das sie finanziert, bewaffnet und lenkt. Wie der frühere Mossad Funktionär Shagiv Assulin wenige Stunden vor Beginn der Angriffe sagte: „Wir müssen aufhören, in einzelnen Schauplätzen zu denken. Das ist ein Krieg gegen die von Iran geführte schiitische Achse.“
Er hatte recht. Der Krieg hat begonnen. Die Frage ist nun, ob er endet, während die Islamische Republik noch steht.
Über den Autor:
Gregg Roman ist Direktor vom Middle East Forum.
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