Ein vom Verlag Hachette publiziertes französisches Begleitlehrmittel bezeichnete die Opfer der Angriffe vom 7. Oktober als „1200 jüdische Siedler“. Nach öffentlicher Kritik wurde das Werk zurückgezogen. Der Vorfall hat politische Reaktionen bis in den Élysée-Palast ausgelöst.
Ausgangspunkt ist ein ein kleines Begleitlehrwerk aus der Sammlung „Objectif Bac Terminale“ – eine Reihe von Revisionshilfen für das französische Abitur. In dem Heft wurden die beim Angriff der Hamas am 7. Oktober getöteten Menschen als „1200 jüdische Siedler“ bezeichnet. Der Inhalt wurde über soziale Netzwerke bekannt und führte zu Kritik. In der Folge zog der Verlag die Publikation zurück. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte öffentlich, Revisionismus habe in der Republik keinen Platz.
Ideologisiertes Konfliktbild
In einem Beitrag für Le Figaro beschreibt die Publizistin Céline Pina den Vorfall als Beispiel für eine zunehmende ideologische Prägung von Darstellungen des Nahostkonflikts. Sie verweist darauf, dass Begriffe wie „Kolonialist“ oder „Siedler“ im aktuellen politischen Diskurs eine zentrale Rolle spielen und zur Interpretation von Ereignissen herangezogen werden. Der konkrete Wortlaut im Schulheft wird von ihr als Beispiel dieses ideologisierten Diskurses dargestellt.
Nationale Debatte
Der Artikel stellt den Fall in einen grösseren Zusammenhang der aktuellen öffentlichen Debatten in Frankreich. Dabei geht es um Auseinandersetzungen über den Umgang mit Zahlen und Darstellungen aus dem Gaza-Krieg, und Diskussionen über den Einfluss politischer Strömungen auf Universitäten und Schulen. Wie sollen staatliche Stellen und Institutionen sich zu diesen sehr aufgeladenen Kontroversen verhalten?
Der Vorfall um Antisemitismus im Lehrmittel Objectiv Bac Terminal dient dabei nur als ein Beispiel unter mehreren für eine Zunahme der Ideologisierung im französischen Bildungswesen.
Originalquelle:
Céline Pina, «Manuel scolaire antisémite : « Quand la propagande islamo-gauchiste tente d’influencer les représentations de la jeunesse »», Le Figaro Vox, 15. Januar 2026.



