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IMEC: Der Korridor der Möglichkeiten

Die neue Handelsroute des India–Middle East–Europe Corridor (IMEC)

✒️ MIFF Leitartikel

Die Schliessung der Strasse von Hormus durch den Iran hat die Verwundbarkeit der Weltökonomie offengelegt. Der Druck wächst, Alternativen zu schaffen, damit Warenströme und Energieversorgung von Osten nach Westen nicht länger dem Risiko politischer Erpressung und islamistischer Terrorismus ausgesetzt sind. Eine landbasierte Route über die arabische Halbinsel bis ans Mittelmeer könnte eine Lösung sein.

Heute Morgen berichtete die Financial Times, dass die Golfstaaten prüfen, ihre Ölpipelines über die Strasse von Hormus hinaus auszubauen, um die Abhängigkeit von dieser zentralen Wasserstrasse zu reduzieren. Eine der diskutierten Optionen umfasst demnach eine Verbindung von der arabischen Halbinsel bis zum Mittelmeer über Israel. Ähnliche Töne waren bereits am Montag von Benjamin Netanyahu zu hören. In einem Interview mit Newsmax erklärte er, langfristige Lösungen bestünden darin, Energie westwärts umzuleiten – über Saudi-Arabien weiter ins Mittelmeer, unter Umgehung des iranischen Engpasses.

IMEC

Gemeint ist damit implizit der IMEC-Korridor, über den MIFF bereits früher berichtet hat. Die Grundidee ist einfach: Güter sollen von Indien über den Golf auf dem Landweg Richtung Mittelmeer gelangen. Israelische Häfen wie Haifa und Ashdod würden dabei zu zentralen Knotenpunkten werden.

Doch IMEC ist weit mehr als ein Infrastrukturprojekt. Der Korridor würde eine enge strategische Integration der beteiligten Staaten in den Bereichen Sicherheit, Energie und Handel nicht nur fördern, sondern zwingend voraussetzen.

Ohne politische Bewegung bleibt das Projekt Theorie

Die arabischen Staaten müssten ihre Zusammenarbeit mit Israel nicht nur vertiefen, sondern auch öffentlich und institutionell dazu stehen. Die Annäherungen der letzten Jahre waren ein Anfang, mehr nicht. Eine Weiterentwicklung der Abraham-Abkommen und eine breitere Normalisierung mit Israel ist nötig – nicht aus Liebe, sondern aus handfestem Eigeninteresse.

Auch für Europa eröffnet sich mit IMEC eine zusätzliche Energie- und Handelsroute, die weniger anfällig wäre als bestehende Wege. Voraussetzung wäre allerdings eine politische Neuausrichtung gegenüber Israel. Wer von den sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Vorteilen profitieren will, kann sich im diplomatischen Bereich keine feindliche Haltung leisten. Israel hat Europa in den Bereichen Sicherheit, Technologie und Handel viel zu bieten. Doch Europa muss sich entscheiden, ob es diese Chance ergreift oder weiter an überholten Reflexen festhält. Wir sind nicht unbedingt davon überzeugt, dass Europa die richtige Entscheidung treffen wird.

Mit Israel für Frieden

Die Neuordnung des Nahen Ostens, die aus dem Iran-Krieg entstehen wird, bietet für Israel eine transformative Chance. Das Land könnte sich als Drehscheibe zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa etablieren und daraus erheblichen wirtschaftlichen Nutzen ziehen.

Unserer Analyse nach waren die politischen und kulturellen Voraussetzungen für IMEC bislang nicht ausreichend gereift. Der Iran-Krieg hat jedoch die Verwundbarkeiten sowohl der Araberstaaten als auch Europas offengelegt. Gleichzeitig hat er verdeutlicht, wie zentral Israel für ihre eigene Sicherheit ist. Es ist daher nicht unrealistisch zu erwarten, dass pragmatische Interessen künftig eine Annäherung an Israel vorantreiben werden – mit Israel für Frieden.

Über den Autor: 

Dr. philos. Jens Tomas Anfindsen unterrichtet seit vielen Jahren in den Bereichen Religion, Philosophie und Ethik. Er ist Leiter von MIFF DACH und Redakteur von Israelfrieden.org.