Dieser Artikel erschien erstmals am 6. Januar 2026 in der norwegischen Zeitung Dagen. MIFF veröffentlicht ihn in deutscher Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
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Europäische Mainstream-Medien tun sich schwer damit, den Hintergrund von Präsident Trumps überraschender Militäroperation in Venezuela und der Festnahme von Präsident Maduro zu verstehen. Dabei erhielten sie bereits am Tag der Operation selbst einen deutlichen Hinweis. Dieser kam von Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez. Sie erklärte, Trumps Aktion habe „zionistische Untertöne“. Die meisten Kommentatoren haben diesen Hinweis ignoriert. Doch die zionistischen Untertöne waren wahrscheinlich die eigentliche, taktgebende Bassstimme in Trumps militärischem Blechmarsch.
Der musikalische Sprachgebrauch der Vizepräsidentin verweist auf einige sehr handfeste schiitisch-dschihadistische Fakten – und diese betreffen Venezuelas enge Allianz mit der Hisbollah und dem Iran. Bereits 2001 stattete Maduros Vorgänger Hugo Chávez dem Ajatollah-Regime im Iran einen symbolträchtigen Staatsbesuch ab. Vier Jahre später kam Irans berüchtigter Präsident Ahmadinedschad zu einem Gegenbesuch nach Caracas. Und noch 2022 war es Präsident Maduro selbst, der über die roten Teppiche der Ajatollahs marschierte.
Diese symbolischen Besuche verliefen parallel zur Entstehung einer immer engeren Allianz. Venezuela entwickelte sich zu einer hilfsbereiten Terrorbasis für Irans Stellvertreter-Milizen – in erster Linie für die Hisbollah, in gewissem Mass aber auch für die Hamas, die Huthis und andere.
Konkret war es vor allem die Terror-Insel Margarita an Venezuelas Nordwestküste, die zur besonderen Festung der Hisbollah wurde. Auf Margarita waren alle von Steuern befreit. Deshalb errichteten Hisbollah und Iran dort eine Vielzahl von Finanzfirmen zur Terrorfinanzierung. Zudem richteten Hisbollah und das Maduro-Regime dort Passbüros ein, damit flüchtige Terroristen neue venezolanische Pässe erhalten und frei reisen konnten. Nicht selten organisierte die Hisbollah auf der Terror-Insel auch Ausbildungslager für Terroristen.
Margarita liegt so nahe an der Grenze zu Kolumbien, dass Terroristen im Bedarfsfall rasch dorthin fliehen konnten – in etwa auf die gleiche Weise wie bei den Hisbollah-Stützpunkten im Dreiländereck bei den Iguazú-Wasserfällen, wo Terroristen je nach Bedarf zwischen Brasilien, Argentinien und Uruguay pendeln können. Nach über 20 Jahren war der Stützpunkt der Hisbollah in Venezuela zur wichtigsten Basis des schiitischen Iran in der westlichen Hemisphäre geworden.
In Venezuela betrieb die Hisbollah eigene Kartelle für den Drogenschmuggel in die USA. Und da Präsident Maduro selbst Chef eines grossen Schmuggelkartells war, erhielt das Hisbollah-Kartell laufend Hilfe und Schutz durch den Präsidenten und den Staatsapparat. Zudem kassierte die Hisbollah prozentuale Abgaben von den anderen Kartellen. Auf diese Weise wurden in Venezuela enorme Summen gewaschen und nach Libanon geschickt, um Terrorlöhne für die Hisbollah zu bezahlen. Gleichzeitig wuchs so auch die Terrorbedrohung für die USA erheblich.
In der israelischen Presse herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass niemand von Trumps Maduro-Operation in Venezuela so erschüttert ist wie das Ajatollah-Regime im Iran. Dieses erlitt im Juni im zwölftägigen Krieg gegen Israel (und Trump) schwere Verluste. Im September 2024 schaltete Israel Hisbollah-Offiziere mit mehreren tausend explodierenden Pagern aus. Kurz darauf verlor Iran Syrien. In diesem Herbst verlor Iran die Hamas im Gazastreifen. Und während die Huthis im Jemen nach israelischen Gegenangriffen ihre Wunden leckten, erkannte Israel kurz vor Neujahr Somaliland an und bezog dort einen grossen Marinestützpunkt. Hinzu kommt, dass die iranische Bevölkerung derzeit erneut auf die Strasse geht – nach einer Wasserkrise und einer Währungskrise. Es besteht daher kaum ein Zweifel, dass der Verlust Venezuelas als westliche Hilfsbasis – zusätzlich zu all dem anderen – Ajatollah Chamenei schwer erschüttert haben muss.
Sowohl Regierung als auch Opposition in Israel denken in die gleiche Richtung. Oppositionsführer Jair Lapid schrieb auf X, Iran solle aus dem lernen, was in Venezuela geschehen sei. Der blau-weisse Oppositionsführer Benny Gantz erinnerte daran, dass er als Verteidigungsminister vor drei Jahren hinter einem Bericht der Sicherheitsdienste über die stark wachsende Hisbollah-Bedrohung in Venezuela gestanden habe. Und sowohl Netanjahu als auch mehrere seiner Minister haben Ähnliches gesagt: Israel unterstütze Trumps Aktion gegen Präsident Maduro zu hundert Prozent.
Am 3. Januar 2020 liess Präsident Trump den iranischen General der Revolutionsgarde, Qassem Soleimani, in einer nächtlichen Operation in Bagdad töten. Die Festnahme von Präsident Maduro in Caracas erfolgte am gleichen Datum, am 3. Januar 2026. Das ist ein „zionistischer Unterton“, auf den Trump selbst hingewiesen hat.
Zudem war Ministerpräsident Netanjahu nur drei Tage zuvor Gast bei Präsident Trumps Neujahrsempfang in Florida, während Trump auf X die iranischen Ajatollahs öffentlich und ausdrücklich bedrohte. Alles deutet darauf hin, dass Trump damals in Wirklichkeit mit der Maduro-Operation dem Iran drohte – und dass er Netanjahu im Voraus informierte.
Manche sehen in Trumps Maduro-Operation vor allem ein Streben nach Öl und geopolitischer Macht. Dieser Artikel versteht sich als teilweise Korrektur dieser Deutung: Das Öl- und Machtmotiv ist deutlich weniger wichtig als das iranbezogene Anti-Terror- und Anti-Drogen-Motiv der Operation.
Über den Autor:
Odd Sverre Hove ist norwegischer Publizist und politischer Kommentator.
Dieser Artikel erschien erstmals am 6. Januar 2026 in der norwegischen Zeitung Dagen. MIFF republiziert den Artikel in deutscher Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors.


