Israel beabsichtigt, seine eigene Rüstungsindustrie deutlich zu stärken. Ziel ist es, die Abhängigkeit von anderen Ländern zu verringern – einschliesslich der engsten Verbündeten.
Ministerpräsident Netanyahu erklärte Mittwoch letzte Woche, Israel werde 350 Milliarden israelische Schekel (etwa 93 Milliarden Euro) über das nächste Jahrzehnt in den Aufbau einer unabhängigen Rüstungsindustrie investieren, um die lokale Waffenproduktion auszubauen. Zweck dieser Grossinvestition sei es, Israels Abhängigkeit von anderen Staaten und ausländischen Waffenherstellern zu reduzieren, berichtet die Jerusalem Post.
Im Fokus steht insbesondere die Produktion von Bomben für Kampfflugzeuge, Artilleriegeschossen sowie Munition für Kampfpanzer. Einen grossen Teil dieser Waffen importiert Israel derzeit aus dem Ausland. Das israelische Unternehmen Elbit Systems hat bereits den Auftrag erhalten, schwere Bomben für Kampfflugzeuge herzustellen.
künftige Embargos umgehen
Im Zuge des Krieges Israels gegen die Hamas im Gazastreifen haben mehrere Länder den Verkauf von Waffen an Israel eingeschränkt. Einige verhängten sogar Waffenembargos.
Auch die USA, von denen Israel den Grossteil seiner Waffen bezieht, hielten unter der Biden-Administration zeitweise Lieferungen bestimmter Waffensysteme zurück. Deutschland, ein weiterer wichtiger Waffenlieferant, setzte vorübergehend die Ausfuhr von Waffen aus, die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten.
Diese Entwicklung hat den Wunsch Israels verstärkt, unabhängiger von anderen Ländern zu werden.
„Ich weiss nicht, ob irgendein Land vollständig unabhängig sein kann. Aber wir werden danach streben, so viele unserer Waffen wie möglich in Israel zu produzieren“, sagte Netanyahu.
Auch wenn Israel weiterhin auf die USA angewiesen bleibt, etwa bei der Beschaffung von Technologien wie Kampfflugzeugen, Transportflugzeugen und Helikoptern, gibt es mehrere israelische Unternehmen, die unbemannte Luftfahrzeuge herstellen, darunter Elbit Systems und Israel Aerospace Industries.
„Unser Ziel ist es, eine unabhängige Waffenindustrie für den Staat Israel aufzubauen und die Abhängigkeit von anderen – auch von Verbündeten – zu reduzieren. Die klügsten Köpfe unserer Verteidigungsindustrie arbeiten intensiv an der Entwicklung von Waffensystemen, die Israels militärischen Vorsprung auch in Zukunft sichern werden“, erklärte der Ministerpräsident.
Iron Beam
Kurz vor Neujahr wurde das in Israel entwickelte Lasersystem Iron Beam in den operativen Betrieb aufgenommen. Es kann Raketen, Drohnen und andere luftgestützte Bedrohungen abschiessen. Iron Beam soll das bestehende Raketenabwehrsystem Iron Dome nicht ersetzen, sondern ergänzen.
Während der Einsatz von Iron Dome pro Abfangvorgang zehntausende Euros kostet, belaufen sich die Kosten pro Schuss bei Iron Beam lediglich auf wenige Cents an Stromaufwand.
Israel plant, im Jahr 2026 rund 16 Prozent seines Staatshaushalts für die Verteidigung aufzuwenden. Das entspricht rund 30 Milliarden Euro bei einem Gesamtbudget von etwa 180 Milliarden Euro.



