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Israel + Zypern + Griechenland = Realität?

Der zyprische Präsident Nicos Anastasiades, der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu im Jahr 2020. (Foto: Haim Zach/GPO)

Die drei Länder erwägen die Einrichtung einer gemeinsamen Militärtruppe. Dies würde ein klares Signal an den türkischen Präsidenten Recep Erdoğan senden.

Hochrangige Beamte aus Israel, Griechenland und Zypern haben in letzter Zeit die Möglichkeit diskutiert, eine gemeinsame schnelle Reaktionskraft (Joint Rapid Response Force) zu schaffen, bestehend aus Soldaten der Streitkräfte aller drei Länder.

Die Initiative für eine solche Eingreiftruppe ist Teil eines gemeinsamen Bemühens, die militärischen und strategischen Aktivitäten der Türkei im östlichen Mittelmeer abzuschrecken.

Bislang befindet sich eine gemeinsame Reaktionskraft lediglich in der Planungsphase.

Ziel ist es, die militärstrategische Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern in einer Zeit zunehmender regionaler Spannungen zu stärken. Es soll sich nicht um eine ständige, permanente Truppe handeln, sondern um eine Einheit, die in Krisenzeiten rasch eingesetzt werden kann. Sie soll an Land, zur See und in der Luft operieren können.

In der kommenden Woche werden der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und der zyprische Präsident Nikos Christodoulides zu einem Gipfeltreffen mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nach Israel reisen. Dabei wird dieses Thema voraussichtlich zur Sprache kommen. Im Vorfeld des Gipfeltreffens haben über mehrere Wochen hinweg zahlreiche Treffen zwischen Vertretern der drei Länder über die Einrichtung einer Reaktionskraft stattgefunden.

Die diskutierte Truppe soll aus einer Einheit von rund 2 500 Soldaten bestehen, mit jeweils 1 000 Soldaten aus Israel und Griechenland sowie 500 aus Zypern.

Die Einrichtung einer solchen Truppe – bereits die Diskussion darüber – ist als Signal an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan gedacht.

„Es besteht kein Zweifel daran, dass dies in der Türkei auf negative Reaktionen stossen wird“, sagt Angelos Athanasopoulos, ein griechischer Experte für Geopolitik und Sicherheit.

Erdoğan strebt an, das Nachbarland Syrien in einen türkischen Satellitenstaat umzuwandeln, unter anderem durch die Stationierung türkischer Luftabwehrsysteme auf syrischem Territorium.

Die Türkei möchte sich zudem an einer multinationalen Truppe im Gazastreifen beteiligen und führt Gespräche mit beiden rivalisierenden Regierungen in Libyen, mit dem Ziel, ein neues maritimes Abkommen mit ihnen abzuschliessen. Ziel der Türkei ist es, zu einem dominierenden Akteur im nördlichen und östlichen Mittelmeer zu werden.

In den vergangenen Jahren hat Israel seine Beziehungen zu Griechenland und Zypern sowohl zivil als auch militärisch ausgebaut. Die drei Länder haben zudem mehrere gemeinsame Militärübungen durchgeführt. Gleichzeitig investieren sowohl Griechenland als auch Zypern in israelische Luftabwehrsysteme und Rüstungsgüter. Die griechische Armee ist derzeit dabei, das israelische Raketensystem Spike NLOS einzuführen.

Griechenland hat kürzlich zudem beschlossen, ein Raketenartilleriesystem vom israelischen Hersteller Elbit Systems für rund 700 Millionen Euro zu erwerben. Sollte eine gemeinsame Reaktionskraft eingerichtet werden, würde dies die Zusammenarbeit weiter vertiefen.