Mit Viktor Orbán verliert Israel seinen wichtigsten Verbündeten innerhalb der EU.
Am Sonntag wählten die Ungarn – und Orbán hat seine Niederlage inzwischen eingeräumt. Er gratulierte seinem Herausforderer Péter Magyar und erklärte: «Die Ergebnisse sind klar.» Damit ist eine geopolitische Konstante gefallen, auf die sich Israel jahrelang verlassen konnte.
Das Ende eines Vetos mit globaler Wirkung
Ungarn war für Israel mehr als ein freundlicher Staat. Es war ein strategisches Bollwerk innerhalb der EU. Budapest nutzte wiederholt sein Vetorecht, um europäische Sanktionen oder schärfere Massnahmen gegen Israel zu blockieren.
Das ist entscheidend, weil in zentralen aussenpolitischen Fragen Einstimmigkeit erforderlich ist. Ein einziges Land konnte somit die gesamte EU-Position bremsen – und dieses Land war Orbáns Ungarn. Mit dem Machtwechsel in Budapest droht genau dieser Mechanismus wegzufallen.
Ein neuer Kurs: Annäherung an Brüssel
Péter Magyar ist kein klassischer anti-israelischer Politiker. Im Gegenteil: Er gilt als konservativ und nicht als ideologischer Gegner Jerusalems. Doch seine Prioritäten könnten für Israel problematisch werden. Magyar will Subventionsgelder aus Brüssel sichern.
Um rund 15 Milliarden Dollar an EU-Geldern freizubekommen, muss Ungarn seine Blockadepolitik aufgeben und sich stärker an die Linie der EU anpassen.
Für Israel bedeutet das: Kein verlässliches ungarisches Veto mehr; keine stabile Schutzmacht im EU-Rat; mehr Spielraum für kritische EU-Positionen.
Diplomatischer Dominoeffekt
Die Konsequenzen gehen über das Symbolische hinaus.
Erstens dürfte die EU künftig leichter gemeinsame Positionen gegenüber Israel formulieren – etwa zu Gaza, Siedlungen oder Sanktionen.
Zweitens verliert Israel einen politischen Türöffner. Orbán hat nicht nur blockiert, sondern aktiv versucht, die EU-Position pro-israelischer zu verschieben.
Drittens verschiebt sich die Machtbalance innerhalb Europas. Staaten wie Spanien oder Irland, die deutlich kritischer gegenüber Israel auftreten, könnten an Gewicht gewinnen.
Vom Sonderfall zur Normalisierung
Unter Viktor Orbán war Ungarn ein Sonderfall: pro-israelisch, konfrontativ gegenüber Brüssel und bereit, internationale Institutionen offen herauszufordern – etwa bei der Ablehnung von Entscheidungen des Internationalen Strafgerichtshofs.
Mit Péter Magyar dürfte Ungarn wieder einen stärker «europäischen» Kurs einschlagen. Für Israel ist genau das das Problem.
Orbáns Niederlage markiert einen strategischen Einschnitt für Jerusalem.


Warum Israel strategisch wichtiger wird – Europa zwischen Regelideal und Realpolitik



