Rund 200 Personen trotzten am gestrigen Abend der winterlichen Kälte und versammelten sich in Bern zu einem Silent Walk – in Unterstützung für Israels Existenzrecht und als stilles, aber klares Zeichen gegen Antisemitismus.
Es war ein kalter Winterabend, an dem leise Schneeflocken durch die Luft tanzten und die beleuchteten Strassen der Bundesstadt in ein gedämpftes, beinahe feierliches Licht tauchten. In dieser besonderen Atmosphäre setzte sich der Zug durch die wunderschöne Altstadt von Bern in Bewegung: ruhig, gesammelt, würdevoll. Keine Parolen, kein Geschrei, keine Provokationen – nur Schritte, Fahnen und eine spürbare, gemeinsame Entschlossenheit.
Vor und nach dem Marsch wurden mehrere Ansprachen gehalten, die den Anlass einordneten und den Sinn dieser stillen Form des Protests unterstrichen: Es ging nicht um Konfrontation, sondern um Präsenz. Nicht um Lautstärke, sondern um Haltung.
Eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten versuchte dennoch, den Marsch zu stören – mit Trommeln, Megafonen und «Free Palästina»-Rufen. Die Polizei war mit einem grossen Aufgebot vor Ort und in voller Schutzausrüstung präsent. Sie hielt die Gegendemonstranten auf sicherem Abstand und sorgte dafür, dass der Silent Walk ohne Zwischenfälle durchgeführt werden konnte. Dabei legten die Einsatzkräfte ein ausgesprochen professionelles und diszipliniertes Verhalten an den Tag, das von vielen Teilnehmenden am Ende auch ausdrücklich mit Applaus und Dank quittiert wurde.
🟦 MIFF kommentiert
Die Organisatoren des Silent Walks verdienen einen herzlichen Dank für ein schönes, sorgfältig gestaltetes und sehr würdiges Arrangement. Es fühlte sich richtig und wichtig an, den Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen nicht nachzugeben, sondern in Ruhe und Stille Haltung zu zeigen. Denn letztlich geht es darum, weder rhetorisches noch physisches Territorium den Hetzern zu überlassen.
Zu Israel zu stehen erfordert heutzutage, so scheint es, eine Form von Mut, die in früheren Zeiten selbstverständlich gewesen wäre. Umso berührender war es zu sehen, wie die Freunde Israels in Stille und Respekt den Fahnen Israels neben den Schweizer Fahnen einen Platz im öffentlichen Raum gaben – ohne Hass, ohne Hetze, ohne Geschrei.
Es ist ein Omen unserer Zeit – und eine Warnung an unsere Gesellschaft –, dass eine friedliche Kundgebung heute polizeilichen Schutz in quasi paramilitärischer Stärke braucht, um ungestört stattfinden zu können. Umso wichtiger sind die Solidarität und die Standhaftigkeit aller friedens- und freiheitsliebenden Bürger in ganz Europa.
Nie wieder ist jetzt. Herzlichen Dank allen, die für Israel, für Frieden und für Freiheit aufstehen.
Über den Autor:
Dr. philos. Jens Tomas Anfindsen unterrichtet seit vielen Jahren in den Bereichen Religion, Philosophie und Ethik. Er ist Leiter von MIFF DACH und Redakteur von Israelfrieden.org.



